Zu Hilfe! Zu Hilfe!
Die Bühnenstatistik bestätigt der «Zauberflöte» Jahr für Jahr den Dauerbrenner-Status. Dabei ist das Stück mit seinem langen zweiten Aufzug gar nicht leicht zu inszenieren. Und was tun mit den Dialogen? Kürzen? Umschreiben? Aufpeppen? Damit Papagenos Mundart-Witze nicht zu matten Schenkelklopfern verkommen, braucht’s mindestens ein gutes Gespür für Timing. Schließlich: Den Theatern dient das Stück als Goldesel, es muss sich im Repertoire behaupten können – und trotzdem sollte mehr drin sein als ein nettes Märchen.
Heidelberg, Osnabrück und Hamburg haben die «Zauberflöte» jetzt neu aufgelegt, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen – und ganz unterschiedlichem Erfolg.
In Heidelberg setzt Maximilian von Mayenburg auf den ewigen Zwist von Mann und Weib. Zwar erwähnt der Regisseur im Programmheft die antike Vorstellung vom «Kugelmenschen», in der Mitte entzweigeteilt und seither verzweifelt auf der Suche nach seiner besseren Hälfte. Die Spielfläche ist denn auch eine Halbkugel. Eine größere Rolle spielt allerdings ein alttestamentarischer Topos: die Vertreibung aus dem Paradies. Während der Ouvertüre sehen wir «Adam und Eva» noch in seliger Eintracht. Zärtlich schmust Sarastro mit der ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wiebke Roloff
Einst an den Rand gedrängt, ist die Moderne nun fest verankert im Programm der Bregenzer Festspiele. Neben Otto M. Zykans «Staatsoperette» stand diesmal sogar eine zweite zeitgenössische Oper auf dem Programm: Miroslav Srnka vertonte in «Make No Noise» (2011) den brisanten Stoff eines Films, der die zufällige Begegnung zweier traumatisierter Menschen thematisiert,...
Sichere Sache – so mag sich sagen, wer an Robert Carsen denkt. Dass es damit etwas auf sich hat, erweist der Beginn von Claudio Monteverdis «Orfeo», für dessen Inszenierung der kanadische Regisseur an die Oper Lausanne zurückgekehrt ist: an jenes Haus, an dem er vor drei Jahrzehnten seine erste Produktion im Musiktheater herausgebracht hat. Weit offen hält Radu...
Man gibt sich weltoffen an der Oper von Wuppertal – einer Stadt, in der ein Drittel der Bevölkerung von Migranten abstammt, Tendenz steigend. Im Saisonheft lächelt ein schwarzes Mädchen mit blauen Augen in die Kamera des Reportagefotografen Jens Großmann, eine Frau steht vor den Trümmern ihres sturmzerstörten Hauses auf den Philippinen, Erdbeben in Kaschmir, Spuren...
