Zeremonienmeisterlich
Die Große Historische Oper französischen Zuschnitts kam nach den Erfolgen Meyerbeers und Halévys in den 1840er-Jahren auch bei deutschen Komponisten in Mode. Wagners «Rienzi» ist das prominenteste Beispiel, große Beachtung fanden seinerzeit auch die Opern von Franz Lachner und Peter Joseph von Lindpaintner. Zwei Mitschnitte konzertanter Aufführungen rufen ihre lange in Vergessenheit geratenen Werke wieder in Erinnerung.
Lindpaintner (1791-1856) war 38 Jahre lang Hofkapellmeister in Stuttgart; er hat 21 Opern hinterlassen.
Mit «Il vespro siciliano» erzielte er 1843 einen kurzen Sensationserfolg. Man kennt Verdis «I vespri siciliani», doch damit hat Lindpaintners Version nicht mehr als den historischen Background gemein – den Befreiungskampf der Sizilianer gegen die französischen Okkupanten anno 1284. Sein Librettist Heribert Rau verzettelt sich in Liebesintrigen, neben denen der politische Inhalt in den Hintergrund tritt.
Die Musik Lindpaintners zeigt einen Theaterkapellmeister, der sich aus dem Fundus der Werke Meyerbeers und vor allem Rossinis bedient, dessen Opern er häufig in Stuttgart aufführte. Es wird viel mit dem Säbel gerasselt, finden sich auch süffige italienische ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Ekkehard Pluta
Der 1. Oktober 2013 war ein schwarzer Tag im Opernbetrieb der USA. An jenem Dienstag erklärten die Verantwortlichen der New York City Opera die Zahlungsunfähigkeit des Hauses und kündigten die Schließung an. Sieben Jahrzehnte waren damit Geschichte, zugleich war die Abwicklung krasses Sympton einer allgemeinen Krise. Wie die US-amerikanischen Symphonieorchester...
Der Schlausten einer ist er nicht – wohl aber einer der naivsten. Von einer Katastrophe in die nächste taumelt der arme Candide. Anscheinend immer zur falschen Zeit am falschen Ort, gerät er als Soldat in den Krieg, in die Fänge der Inquisition, wird zum Mehrfachmörder und überlebt – auf wundersame Weise, wie alles andere – selbst das schwerste Erdbeben. Und als er...
Zwei literarische Quellen, die anno 1818 in Venedig vor dem Hintergrund des Systems Metternich politisch opportun waren, standen Pate für Gaetano Donizettis erste szenisch aufgeführte Oper, den heroischen Zweiakter «Enrico di Borgogna»: August von Kotzebues Drama «Der Graf von Burgund» und Pietro Metastasios Erfolgslibretto «Il re pastore». Beide Vorlagen behandeln...
