Sängerfest
Zwei literarische Quellen, die anno 1818 in Venedig vor dem Hintergrund des Systems Metternich politisch opportun waren, standen Pate für Gaetano Donizettis erste szenisch aufgeführte Oper, den heroischen Zweiakter «Enrico di Borgogna»: August von Kotzebues Drama «Der Graf von Burgund» und Pietro Metastasios Erfolgslibretto «Il re pastore». Beide Vorlagen behandeln beliebte Sujets jener Epoche der Restauration, in der man mit Vorliebe die Wiedereinsetzung rechtmäßiger Regenten betrieb, die ein frevlerischer Usurpator (sprich: Napoleon) vom Thron vertrieben hatte.
In diesem Geist fabrizierte auch der Librettist Bartolomeo Merelli, ein Schüler von Donizettis Lehrer Johann Simon Mayr, ein pro-habsburgisches Propagandastück mit sentimentaler Nebenhandlung und Anklängen an Wienerische Hanswurstiaden, verkörpert durch die Narrenfigur des Gilberto. Dessen ausgedehnte «Weiberarie» («È la donna un gran volume») klingt wie ein Remake von Lorenzo da Pontes «Aprite un po’ quegli occhi» aus Mozarts «Le nozze di Figaro». Die Vertonung kündet durchaus von der Originalität des jungen Donizetti, auch wenn im Detail die Nähe zu Mozarts Orchesterbehandlung deutlich wird.
Für die Produktion der ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Carlo Vitali
Nebel in dichten Schwaden. Von den Seitenbühnen, im Zuschauerraum. Im roten, grünen und blauen Gegenlicht wird das wabernde Trockeneis zu einem unergründlichen Ozean, in dem sich die Umrisse von drei Gestalten abzeichnen: Es könnte der Beginn einer «Rheingold»-Inszenierung sein. War es im Grunde auch. Ganz ähnlich hatte es 1988 im Bayreuther Festspielhaus begonnen....
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Er war groß, athletisch und charmant, trug Spitzbart und ständig eine Pfeife im Mund – außer natürlich bei seinen Konzertauftritten. Und er führte stets Fotos seiner Kinder mit sich, zum Beweis, dass eine hohe Stimme im männlichen Körper nichts mit reduzierter Virilität zu tun haben musste: Alfred Deller. Insbesondere dem Contra-Tenor aus dem englischen Margate...
