Wunden statt Wunder
Wer Roland Schwab als Regisseur für Wagners «Lohengrin» verpflichtet, darf sich nicht wundern, dass es kein blaues Wunder gibt. Stattdessen: Katastrophe, wohin das Auge reicht. Schwab konfrontiert es mit einem Flugzeugwrack, das die 40-Meter-Breitwandbühne der Salzburger Felsenreitschule spektakulär ausfüllt (Piero Vinciguerra). Dort spielt das vergleichsweise bescheiden dotierte Landestheater einmal in der Saison in Festspieldimensionen.
Die Maschine der Brabanter Airline ist zerschellt, zerborsten, ausgebrannt.
Die Überlebenden sind zwar von staunenswerter Gesundheit, aber schwer traumatisiert. Was sie nicht hindert, alsbald eine Partygesellschaft zu mimen. Der Heerrufer zuckt wie ein Nervenbündel über die Bühne, der blinde König Heinrich legt sich eine goldene Survival-Folie um die Schultern und redet von Frieden und neuem Krieg. Dazu prangt in den obersten Arkaden des Schauplatzes in Großbuchstaben das Wort GLAUBEN. Wenn die roten Neonlettern erlöschen, sobald Elsa die ominöse Frage stellt, kann der Regisseur auch noch seinem Hang zur Pyromanie nachgeben: Das Sprengstoffkommando Telramund leistet letzte Arbeit, der Attentäter kommt dabei ums Leben.
Das ist nicht alles an den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Karl Harb
Frau Pluhar, vor vier Jahren haben Sie in Utrecht «Dido and Aeneas» von Henry Purcell dirigiert, eine ziemlich schräge halbszenische Aufführung. Dürfen die Besucher im Schlosstheater Schwetzingen Ähnliches erwarten?
Damals gab es lediglich eine konzertante Aufführung. Es freut mich natürlich, dass unsere zugegebenermaßen unkonventionelle Interpretation von «Dido...
Einer der Erfolgssongs der Pop-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung provozierte mit dem Refrain: «Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.» Ein erfüllbarer Wunsch, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Auch Titus Flavius Vespasianus (39-81) war nicht jener Gutmensch, als der er in Mozarts letzter Oper beworben wird. So ließ er Jerusalems Tempel...
Schon sein erster Ausflug ins Reich der Operette war ein Riesenerfolg. Das 2014 veröffentlichte Album «Du bist die Welt für mich» verkaufte sich 215 000-mal. Weil sich Jonas Kaufmann auf die Jahre 1925 bis 1935 beschränkte, also auf die bronzene Ära des Genres, hatte Sony damals vor allem den deutschsprachigen Markt im Blick. Jetzt aber ist die ganze Welt die...
