Wüste im Herzen
Schlafwandlerin der Liebe ist Violetta nicht. Keine «Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», wie Alwa von Lulu schwärmt. Man mag derlei Gedankenspiele pflegen, weil Marlis Petersen 2003 mit der Titelfigur in Peter Konwitschnys Hamburger Inszenierung von Alban Bergs Oper ihren Durchbruch schaffte. Und weil sie nun in Graz erstmals die Traviata in Konwitschnys ebenfalls erster Inszenierung dieses Stückes gibt.
Doch schon die Hamburger Lulu war keine Schlafwandlerin mehr.
Und Violetta Valery, in Petersens atemberaubender und ungemein berührender Verkörperung, ist durch und durch Realistin, zugleich freilich Tagträumerin – eine, die ihre Krankheit zum Tode in jedem Moment spürt, sie aber zumindest für kostbare Augenblicke vergessen möchte. Auch und besonders in der Liebe zu diesem merkwürdigen Alfredo Germont. Der ist Außenseiter und verletzlich wie sie, ein linkischer Schriftsteller mit Hornbrille und Strickjacke (Giuseppe Varano zeichnet die Figur glaubhaft, singt freilich mit wechselnder Qualität). Liebe? Zum Lachen, follie! Oder doch einzig wahres Gefühl? Quel amor ch’è palpito dell’universo intero? Für Alfredo jedenfalls scheint diese Liebe vor allem ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché
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