Bartoli im Schlafzimmer
Der zweite Akt von Rossinis vorletzter Oper spielt im Schlafzimmer. Das bedeutete 1828 sogar in Paris einen Tabubruch, zumal wenn der schürzenjagende Titelheld sich dort handgreiflich der Schlossherrin zu nähern versucht.
Wohl in keiner Oper vor Offenbachs «La belle Hélène» wird so viel schlüpfrige Erotik gezeigt – geradezu atemberaubend in dem Terzett, in dem die Avancen des Comte im nächtlichen Dunkel versehentlich seinem eigenen Pagen gelten, der neben derselben Comtesse liegt, die auch der Jüngere verführen will… Die Kreuzfahrer kehren da gerade noch rechtzeitig heim, um dem unmoralischen Treiben Einhalt zu gebieten. Dennoch bleiben unaufgelöste Ambivalenzen, wird doch der vom Titelhelden umarmte und geküsste Page auf der Bühne von einer Frau verkörpert.
Das Regie-Tandem Moshe Leiser/Patrice Caurier versetzt dieses Spiel mit verbotenen Früchten, das so gar nicht in die sittenstrenge Restaurationszeit zu passen scheint, in die französische Provinz zur Zeit des Algerien-Kriegs. Buntscheckige Kostüme und fantasievolle Bühnenbilder machen deutlich, wie viel unterdrückte Triebe sich in einer ach so sittenstrengen Gesellschaft angestaut haben: Im ersten Akt verlustiert sich der Comte ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Anselm Gerhard
Auf seinen Humor können sich alle einigen. Auf seine Pointen ist Verlass. Damals, als er die reizenden Wesen mit den Knollennasen in die Welt setzte, wie heute, da er sich,
87-jährig, längst zurückgezogen hat und als Legende seiner selbst vermarktet wird. Ein vornehmer Spaßmacher und sanfter Spötter. Ein weltweiser Beobachter des absurden Alltags, immer freundlich,...
Der verspannte Klang infolge forcierten Singens ist eine unerfreuliche Erscheinung, der man im Opern- und Konzertalltag immer wieder und immer häufiger begegnet. Viele Sänger, falsch angeleitet oder sich selbst überschätzend, versuchen stimmlich mehr zu geben, als sie haben, mit dem Resultat, dass sie nur die Mühsal des Singens, nicht aber die Musik zum Ausdruck...
In schweren Zeiten sehnt sich der leidende Mensch nach ein wenig Heiterkeit. Das Kino war im Zweiten Weltkrieg dafür das ideale Medium. Doch auch die Musik könnte helfen. Anno 1940 schrieb Serge Prokofjew seine «lyrisch-komische» Oper «Die Verlobung im Kloster» nach der Komödie «The Duenna» von Richard Brinsley Sheridan (1775). Die zweite Frau des Komponisten, Mira...
