Wo Unaussprechliches geschieht
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht.
Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in «The Turn of the Screw» den Hintergrund bildet, in der Upper Class mitnichten Geschichte ist: das «Abschieben» von Kindern in Internate und zum Personal, weil die eigentlich Verantwortlichen mit «affairs, travel, friends, visits, always something» beschäftigt sind. Weil Missbrauchsfälle jeden Tag in der Zeitung stehen. Vor allem geht die Mischung aus Psychothriller und Gespenstergeschichte unter die Haut, weil hier, wie in Henry James’ Novelle, in allen Beziehungen eine unheilvolle Zweideutigkeit schwelt – was sie für Regisseure zu einem Fest und einer Herausforderung zugleich macht.
In Berlin ist der Landsitz Bly ein schwüler Schlund. Dunkelrote Wände, verschlossene Türen. Ein stickiges Foyer; ein Gang, der sich in Finsternis verliert; ein leerer Saal, durch dessen trübe Fenster milchiges Licht sickert. Christian ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Er war kein Mann des Rampenlichts. Selbst wenn «seine» Donaueschinger Musiktage im Herbst brummten, blieb er fast unsichtbar. Doch ohne ihn hätte das älteste Festival für Neue Musik sich kaum so konsequent für die Theater-, Medien- und Bildenden Künste unserer Zeit geöffnet. Armin köhler war ein stiller Visionär, ein Beziehungsstifter, der die «alte» Avantgarde (in...
Jubilare
Er wurde am 10. Januar 1935 auf einer Milchfarm in einem Vorort von Chicago geboren und lernte dank der frühen Förderung durch seine musikalische Mutter schon als Kind Klavier, Geige, Bratsche, Kontrabass, Klarinette und Tuba. Sherrill Milnes studierte u. a. an der Drake University Musikpädagogik und wollte ursprünglich Lehrer werden, bevor er an...
Im Jahr 1645 kamen die Schweden, um Brünn zu belagern. Der Legende nach wollten sie nach einem letzten Angriff im Fall des Scheiterns zu Mittag abziehen – und die listigen Brünner verlegten einfach während der Schlacht das Mittagsläuten eine Stunde vor. Noch heute läuten hier die Glocken um 11 Uhr. Diesen November kam die Schwedin Gitta-Maria Sjöberg und gab...
