Wilde Sinne, starre Götzen
Im Jahr 1946 spülte es den 20-jährigen Hans Werner Henze nach Heidelberg zu Wolfgang Fortner. «Fast zufällig hatte nach dem Krieg mein Weg mich nach Heidelberg geführt, einer Stadt, deren Zauber und Verträumtheit in Not geraten waren, von der Anwesenheit der wohlgenährten, gepanzerten Sieger bedrängt und in Frage gestellt. Dem mittellosen Schüler, der ich war, verschaffte Fortner ein Stipendium am Kirchenmusikalischen Institut. [...] Für mich war es die schönste Zeit des Sehen-Lernens, des Hören-Lernens, der Er-Klärung, der Hoffnungen.
» 1907 in Leipzig geboren, hatte Fortner seine Karriere schon vor dem Krieg begonnen. Von seiner fruchtbaren Sympathie für Schönberg und die Neue Sachlichkeit in den zwanziger Jahren oder der fatalen Sympathie für die braunen Machthaber, deren Partei er 1940 beitrat, dürfte Henze damals wenig gewusst haben. Für ihn war Fortner der unprofessorale Lehrer und Mittler der Moderne; ein Mann, der dafür sorgte, dass die Darmstädter Ferienkurse nach jahrelanger rassistischer Selektierung kein hessisches «Salzburg» wurden, sondern ein freies Forum für zeitgenössische Musik. Und den Umstand, dass auch Fortner seine Homosexualität im Nachkriegsdeutschland nicht ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Struck-Schloen
Weit über dreihundert Titel umfasst die Liste der aktuellen Neuheiten auf dem Gebiet des Klassik-Musikfilms, die im Lauf des vergangenen Jahres produziert wurden oder kurz vor ihrer Fertigstellung stehen. Zu sehen waren sie nun bei den Screenings des Internationalen Musikzentrums Wien im Rahmen der Midem in Cannes. Vieles davon wird in den kommenden Monaten und...
Jubilare
Er war der erste farbige Wotan an der New Yorker Met (1986) und der erste farbige Sänger bei den Bayreuther Festspielen: Von 1978 bis 1981 sang der US-Amerikaner Simon Estes hier den Fliegenden Holländer («ein mächtiger, sonorer Bassbariton, ein kluger und gewandter Darsteller», schrieb Opernwelt 1978). Vor allem Wotan galt als die Glanzrolle seines...
Wo bleiben die Gehilfen? Wir warten. Und warten. Und warten. Einen ganzen Abend lang. Wie Wladimir und Estragon. Aber K.s Lakaien aus dem Schloss-Roman lassen sich so wenig blicken wie Becketts Godot. Sven Holm und seine Musiktheaterperformancetruppe Novoflot haben die beiden Clownsknechte auf ihre «Winterreise» nach Franz Kafka nicht mitgenommen. Und damit einen...
