Wie klingt eine dystopische Gesellschaft?
Zu erwarten war der Flop nicht. Sebastian Baumgarten kann ein ernsthafter, ein bisschen abgehobener Hinterfrager sein, jemand der wirklich zu Inhalten durchdringen will und nicht bloß Plots aufmöbelt. Auf diese Weise ist ihm – nur ein Beispiel – in Kassel ein hellhöriger «Rosenkavalier» gelungen. Nix Happy End. Octavian und Sophie hatten so zuckersüße Grillen im Kopf, wie sie per Celesta und Harfe aus dem Orchestergraben stiegen. Jeder wusste, dass es mit den beiden nicht lange gutgehen würde. Statt Rokoko-Plüsch eine Diagnose vom Verfall emotionaler Sicherheiten.
Ein Stück über den Kreislauf von Begehren und Verlassen. Ein Fund. Auch Thomas Hengelbrock ist ein Mann für Funde. Letztes Jahr korrigierte er im Dortmunder Konzerthaus mit «Norma» eingeschliffene Hörerwartungen. Die Proportionen des Stücks traten neu und anders hervor. Bellini hatte plötzlich mehr mit Haydns «Schöpfung» zu tun als mit dem Verismo, in dessen Geist er lange malträtiert wurde. Akustisch sinnfällig war auch, was man längst weiß, aber eben nie hört: dass Wagner viel vom Kollegen gelernt, sogar geklaut hat. Etwa für das Vorspiel zum dritten Akt des «Tannhäuser». Baumgarten und Hengelbrock: zwei, die zueinander ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
Auch die Tiroler Festspiele in Erl haben in diesem Jahr mit «Tannhäuser» eröffnet – selbstbewusster Fingerzeig Richtung Bayreuth? Vielleicht nur Koinzidenz ohne Hintergedanken, trotzdem eine verblüffende Parallele. Natürlich hinkt der Vergleich, in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist das Passionsspielhaus in Erl schon von der Klangarchitektur ein kompletter...
Er muss ein verrückter Vogel gewesen sein, der Kontrabass-Virtuose, Dirigent und Komponist Giovanni Bottesini (1821–1889), der auf seinem Instrument schon in jungen Jahren mit dem Geiger Paganini verglichen wurde und bei seinen Auftritten ein ebensolches Fieber hervorrief wie dieser oder zeitgleich Liszt als Pianist. Unermüdlich reiste er durch die halbe Welt,...
Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es...
