Fakten, Spekulationen, Aussparungen

Zum großen Jubiläum haben zahlreiche Autoren das Phänomen Liszt unter die Lupe genommen – Neuerscheinungen im Überblick

Opernwelt - Logo

Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es war nicht möglich, ihn davon abzuhalten», Liszts Schüler August Göllerich dagegen behauptet das Gegenteil: Cosima «habe ihren Vater so sehr unter Druck gesetzt, dass er nicht anders konnte».



Gerade Liszts letzte Bayreuther Tage helfen bei der Urteilsfindung über die neuere Liszt-Literatur. Oliver Hilmes zeichnet ein beinahe fürsorgliches Bild von Cosima: «Einmal am Tag – in der Regel am frühen Morgen – besuchte Cosima Wagner ihren kranken Vater für gut eine Stunde und trank mit ihm Kaffee.» Cosima sei mit der Pflege ihres Vaters «völlig überfordert» gewesen. In Klára Hamburgers Buch liest sich das ganz anders. Cosima «duldete keine Fremden um ihn», sie habe dafür gesorgt, dass kein Besuch zugelassen wurde. Es sei Cosima gewesen, die «viele Tatsachen über das Verhältnis zwischen Liszt, Wagner und der Familie» über ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Liszt 200, Seite 78
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
Der stylishe Entrümpler

Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?

Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit,...

«Der schwierigste Opernjob in Deutschland»

Als sie 2004 aus Kiel an die Deutsche Oper Berlin wechselte, schwebte über dem einst legendären Haus der Ruf einer Krisenstätte: Christian Thielemann war im Zorn abgetreten; das Orchester schmollte, weil es sich finanziell ­benachteiligt fühlte; das Repertoire war in beklagenswertem Zustand; die Politik brütete über Fusionsplänen. Und dann hatte  Kirsten Harms ...

Donizettis Wahnsinnsfrauen

Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben. Der weltweite Erfolg des...