Wie du warst, wie du bist

Wien | Theater an der Wien | Monteverdi: Ulisse

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Nicht im Getöse war Gott, als Elias ihn suchte. Nicht in Sturm, Erdbeben, Feuersbrunst. Erst im sanften Säuseln danach fand der Prophet den Herrn, berichtet das Erste Buch der Könige. Christophe Rousset, Dirigent von Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» am Theater an der Wien, scheint diese Stelle aus dem Alten Testament verinnerlicht zu haben, denn ruhig, bedächtig, unaufgeregt, beinahe elegisch breitet er die Partitur vor uns aus, ganz anders als manche Kollegen, die sich mit dramatisch hochgepeitschter Lust in dieses Werk stürzen.

Der Dirigent, der nach eigener Aussage ohnehin die Stille am meisten liebt, poliert Details, malt das musikalische Geschehen mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques eher als Aquarell (und nicht in Öl wie Hans Werner Henze in seiner Fassung für die Salzburger Festspiele in den 1980er-Jahren; Monteverdi hat hinsichtlich der Instrumentation den Interpreten ja ziemlich freie Hand gegeben). Und Rousset lässt sich Zeit. Denn, denkt er wohl, wenn jemand wie Odysseus sich zwei Jahrzehnte lang durch die Welt geschlagen hat, kommt es auf ein paar zusätzliche Minuten auch nicht mehr an.

Zwanzig lange Jahre. Kein Wunder, dass der Held seiner Gattin fremd ...

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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Gerhard Persché

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