Klang-Raum
Es sei eben wie das sprichwörtliche Baumpflanzen, sagt Lachenmann im Publikumsgespräch vor der Aufführung. Etwas, das man wenigstens einmal gemacht haben will: «einmal im Leben eine Oper schreiben». Mündlich verwendet er den traditionsbelasteten Begriff «Oper» ganz unbefangen, sein «Mädchen mit den Schwefelhölzern» trägt allerdings den Untertitel «Musik mit Bildern».
Je mehr von Lachenmanns Texten man liest, desto vorsichtiger wird man mit einer Interpretation (dafür, dass er wieder und wieder betont, ein Komponist solle nicht reden, sondern schaffen, hat er sehr viel geschrieben), doch scheint der Musik einen klarer Vorrang einzugeräumt zu werden. Kann man von Musiktheater überhaupt sprechen – oder ist das «Mädchen» letztlich ein Hörspiel, das der Bilder gar nicht bedarf?
Lachenmann nutzt Stimme und Sprache. Eine Erzählhaltung verbindet sich (ähnlich wie bei John Cage oder Heiner Goebbels) damit jedoch nicht. Es kommt ihm auf «musikalische Situationen» an, auf «Landschaften», und Hans Christian Andersens Märchen bietet dazu viele Möglichkeiten. So minimalistisch die Handlung bleibt, so reichhaltig ist das Märchen an Situationen, die in Klang gefasst werden können: In der ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wiebke Roloff
Noch zu Zeiten Gioacchino Rossinis aßen die armen Bauern und Handwerker fast nie Fleisch, und an Freitagen und in der vorösterlichen Fastenzeit verbot ihnen die christliche Sittenlehre, das zu essen, was sie ohnehin nicht hatten. Auch fromme Monsignori und weltliche Herren übten sich in strengem Verzicht – zungenschnalzend mit Flusskrebsen, Muscheln, Hummern,...
Wenn die Wirtschaft strauchelt und die Touristen wegbleiben, müssen sich Kulturschaffende, zumal in einer nicht gerade als kunstsinnig geltenden Nation wie Australien, umso stärker um Geldgeber bemühen und umso engagierter um ihr Publikum werben. So ist in den Opernhäusern die Zahl der Besucher zurückgegangen, besonders in Sydney, wo man aufgrund einer...
Warum ist die eine Oper erfolgreich und die andere nicht? Rossinis «Wilhelm Tell» quillt über vor schönen Melodien, wirksam instrumentierten Szenen, massenkompatiblen Arien und stimmungsvollen Ensembles. Und doch hat sich nur die Ouvertüre als Wunschkonzert-Schmankerl etablieren können. Womöglich war das letzte Werk des Maestros aus Pesaro zu überraschend für seine...
