Wer ist ich?

Emanationen des Unbewussten: Das Nationaltheater Mannheim bringt Bernhard Langs «Der Golem» auf die Bühne

Opernwelt - Logo

Wenn sich der Vorhang öffnet und die schwarz ausgehängte Bühne freigibt, robbt ein nackter Mann mit einem überdimensionalen Hut über den Boden. Bald kommen zwei weitere nackte Performer hinzu – mit derselben spitz zulaufenden Kopfbedeckung, die mehr einer Ku-Klux-Klan-Maske als an einem Juden-Hut ähnelt. Dominiert wird die dunkle, meist nur dämmrig ausgeleuchtete Bühne von einem hochaufragenden, mit der schmalen Frontseite zum Auditorium ausgerichteten Glaskasten, in dem sich immer wieder geheimnisvoll stumme Szenen abspielen.

Vorne, in der Mitte, steht ein kleines, ebenfalls transparentes Wartehäuschen. Die Optik scheint starr, festgezurrt. Für bewegte Kontraste sorgen unablässig eingeblendete Bilder – rückseitig dient ein schmaler, die ganze Bühnenbreite einnehmender Video-Screen als Projektionsfläche, auf der in Zeitlupe eine farblich verfremdete Landschaft vorüberzieht; auf der Front des Glaskastens treiben grotesk verzerrte hermaphroditische Kartenspielfiguren ihr poetisch irrlichterndes Unwesen. Unablässig fällt Schnee aus dem Schnürboden, der am Ende im ­Video wieder aufwärts rieselt. Eine verrätselte Welt, deren Geheimnis sich auch am Ende nicht auflöst und die Zuschauer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Der andere Hügel

High Heels, die auf dem Weg zum Kunstgenuss verschlammen, sind Geschichte. Ebenso Sommersakkos oder Abendkleider, die bei geschätzten 30 Grad Innentemperatur durchweichen. Mittlerweile sind auf Gut Immling die Wege gekiest und geteert, gegen sommerliche Kreislaufgefährdung hilft die Klimaanlage. Zumal die ehemalige Reithalle für Oper und Konzert ­ohnehin nicht mehr...

Robinson Caruso

Nach der Pause – Gustavo Dudamel war gerade, den Lockenkopf demütig geneigt, mit einigen Bravos geduscht worden und suchte den Stab zum dritten Akt zu heben – sandte ein Zuschauer aus dem Rang eine giftgrün-wienerische Sprechblase in den Raum: «Nimm a Partitur, dann klingt’s vielleicht besser ...» Was hatte den Zwischenrufer so erbost? Dass der Venezolaner, der ja...

Frühling auf französisch

Aufgrund welcher Verkettungen und Missionen die «Decca» – opernaktiv sonst nur im Bereich Alter Musik und für Cecilia Bartoli – bei «L’Aiglon» sogar ein Label-Debüt von Operndirigent Kent Nagano arrangierte, gibt Rätsel auf. Man könnte es als Naganos Operetten-Debüt betrachten: «L’Aiglon», komponiert 1937 als Gemeinschaftsarbeit von Arthur Honegger und Jacques...