Weltverbesserer
Wer hätte das gedacht? Dass einer, um den es zeitweilig schon etwas still geworden war, der mit dem Theaterbetrieb, mit der Theaterkunst haderte, wieder zu den stärksten, markantesten Stimmen im Konzert der zeitgenössischen Opernregie zählen würde? Im Januar ist Peter Konwitschny 73 Jahre alt geworden, doch von Erschöpfung ist nichts zu spüren.
Im Gegenteil – mit mehreren neuen Inszenierungen hat er in der vergangenen Saison vieldiskutierte Akzente gesetzt: etwa mit Cherubinis «Medea» in Stuttgart, Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» in Nürnberg und Othmar Schoecks «Penthesilea» in Bonn. Vor allem wegen dieser Produktionen ist Konwitschny, der so konsequent unzeitgeistig wie produktiv die Fahne Brechts und Felsensteins hochhält, zum sechsten Mal «Regisseur des Jahres»
Inszenierungen entstehen auf sehr unterschiedliche Weise, und nicht immer sieht man ihnen an, wie sie zustandekommen. Interessiert das überhaupt? Das Gros des Publikums will vielleicht nicht einmal wissen, ob Inszenieren eigentlich eine Kunst ist oder doch nur ein Handwerk. Haben nicht Rembrandt und Dürer sich selbst als Handwerker gesehen, ihr Atelier als Werkstatt und ihre Meisterschüler als Lehrlinge? Hat sich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Regisseur des Jahres, Seite 54
von Bettina Bartz
«Es schadet nichts, auf einem Entenhof geboren zu sein, wenn man nur in einem Schwanenei gelegen hat!» Kaum ein geflügeltes Wort Andersens ist in Dänemark so häufig parodiert worden wie diese Stelle aus dem «Hässlichen jungen Entlein». Auch Rued Langgaard lädt dazu ein. Das Künstlerkind wuchs auf in Kopenhagens feinem Viertel Gammelholm – alles außerhalb dieser...
Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...
Jeder große Künstler würde gern der letzte Mohikaner sein – oder der erste Mensch. Wir leben ja immer noch im Zeitalter des Originalgenies – auch, wenn dieser altehrwürdige Sturm und Drang-Begriff aus der Mode kam und längst durch neue, mit dem Zeitgeist von Copy & Paste kompatiblere Worte ersetzt worden ist, wie «Freak» oder «Ikone». Aribert Reimann ist weder das...
