Weltabschiede
Man fährt nicht der schönen Stimmen wegen nach Martina Franca. Die Gemeinde neugieriger Melomanen, die sich seit 1975 regelmäßig in der apulischen Barockstadt trifft, treibt Entdeckerlust. Viele lange nicht gespielte Stücke aus Barock, Romantik und Verismo oder bekannte Titel in ungewöhnlichen Fassungen lernt man nur hier kennen. Die Regie arrangiert meist geschmackvoll kostümierte Figuren zu gefälligen Tableaux im Innenhof des Herzogspalasts. Das um einen festen Stamm gruppierte «Internationale Orchester von Italien» bietet gute Mittelklasse.
Der hoch konzentrierte Slowakische Chor Bratislava dagegen überbot sich diesmal mit souveräner Präzision und weichem, voluminösem Klang selbst.
Mit Glucks «Orfeo ed Euridice» fiel ihm aber auch eine inspirierende Aufgabe zu. Natürlich spielt das Festival della Valle d’Itria nicht die 80-minütige Wiener Fassung, sondern das mehr als doppelt so lange Pasticcio für Neapel, 1774. Bereits die Londoner Erstaufführung 1770 hatte Calzabigis experimentelles Libretto durch Hofszenen in der Ober- (bei Orpheus’ Vater) und Unterwelt (Pluto) sowie neue Arien auf abendfüllende Länge gebracht. Johann Christian Bach, der jüngste Sohn des Thomaskantors, ...
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