Wein, Weib und Gesang

Gegen Gustav Kuhn stehen schwere Vorwürfe im Raum: Der Gründer und Prinzipal der Tiroler Festspiele in Erl soll regelmäßig sexuell übergriffig geworden sein. Die Causa wird inzwischen vor Gericht verhandelt. Von der Affäre unbeeindruckt, hat Kuhn die 22. Sommersaison mit einer Rossini-Rarität eröffnet

Opernwelt - Logo

Der Mann ist hier Mr. No, sogar Mister No-Go. Eine Namensverbotszone ist das, die von Kranzberg, Inn und den Ausläufern des Wilden Kaisers begrenzt wird. «Der Blogger» wird er in Erl nur genannt, erst recht vom Prinzipal. Überhaupt möchte sich Gustav Kuhn zur Affäre nicht äußern. «Das liegt bei den Anwälten», sagt er, um dann im persönlichen Gespräch ausgiebig vom Leder zu ziehen über jenen Markus Wilhelm, Publizist, Umweltschützer und Internet-Aktivist, der das Projekt Tiroler Festspiele gefährden könnte.

Sexuelle Übergriffe, Mobbing, Lohn-Dumping: Keiner der Vorwürfe gegen Kuhn und das System Erl konnte bisher bewiesen werden. Acht Klagen haben der Dirigent und die Festspiele noch gegen Wilhelm laufen, einige wenige wurden zurückgenommen – um Wilhelm nicht finanziell zu ruinieren, erklärt Kuhn. Der Knackpunkt: Sämtliche Vorwürfe, die Erl gefährlich werden könnten, sind namenlos. «Von mir anonymisiert», betont Wilhelm, «nicht anonym». 200 Zuschriften seien bei ihm, der das Portal www.dietiwag.org betreibt, eingegangen, «aus allen Erler Bereichen, bis zur Aufräumhilfe». Und bald, so verspricht Wilhelm, gibt es Namen zu lesen.

Tatsächlich schwirrt es vor Gerüchten im Inntal. Wer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Mal ehrlich August 2018

Zweimal per annum – an ihrem offiziellen Geburtstag und zu Neujahr – verteilt Elizabeth II. allerhand Ehrungen. An die, die Großes, und die, die Gutes tun. Im Juni gab’s ein paar OBEs (Order of the British Empire) für diverse Instrumentalisten und Sänger, Bariton Simon Keenlyside schlug die Queen sogar zum Ritter. Jetzt muss ich ihn wohl Sir Simon nennen – doch...

Empört Euch!

Er debütierte als Tamino in Zauberflöte; er verkörperte wichtige Rollen im Bettelstudent, Orfeo (Monteverdi), Die Meister-Sänger von Nürnberg, Gärtnerin aus Liebe, Antigone, Der Revisor, Così fan tutte, Entführung aus dem Serail, Der Wildschütz, Barbier von Siviglia, Alcina, Die schweigsame Frau und Oedipus der Tyrann. Er tritt regelmäßig an den Staatstheatern in...

Lustig, lustig

Je unpoetischer eine Nation oder Zeit ist, desto leichter sieht sie Scherz für Satire an, so wie sie umgekehrt die Satire mehr in Scherz verwandelt, je unsittlicher sie wird.» Jean Pauls Diktum aus seiner «Vorschule der Ästhetik» sollte allen Theatermachern zu denken geben, denen die Komödie und die Opera buffa am Herzen liegen. Nichts ist hier so, wie es zu sein...