Lustig, lustig
Je unpoetischer eine Nation oder Zeit ist, desto leichter sieht sie Scherz für Satire an, so wie sie umgekehrt die Satire mehr in Scherz verwandelt, je unsittlicher sie wird.» Jean Pauls Diktum aus seiner «Vorschule der Ästhetik» sollte allen Theatermachern zu denken geben, denen die Komödie und die Opera buffa am Herzen liegen. Nichts ist hier so, wie es zu sein scheint. Dies gilt auch, ja in gesteigertem Maße für Rossinis «Reise nach Reims». Schrieb doch der politisch liberale Italiener die Oper ausgerechnet zur Inthronisierung des reaktionären Franzosen Karl X.
Um Konflikten auszuweichen, reihten er und sein Librettist revueartig einen Spaß an den anderen. Aber dem schwachen Text liegt ein raffinierter Plot zugrunde: Mehrere Adlige aus verschiedenen Ländern, die 1825 zur Krönung Karls X. nach Reims wollen, bleiben in den Vogesen in einem Kurhotel hängen, wo es keine Pferde zur Weiterreise gibt. Die hochgestimmte Erwartung geht in Warten und Langeweile über, bis man schließlich eigenhändig ein Fest arrangiert. Zwar lobpreist die Gesellschaft am Ende den neuen Herrscher, aber der tritt nicht in Erscheinung – eine Krönungsoper ohne gekröntes Haupt mithin, eine subtile ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Volker Tarnow
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der...
Als «Das Schloss Dürande», die letzte Oper Othmar Schoecks, im Frühjahr 1943 in der Berliner Staatsoper aus der Taufe gehoben wurde, kam es zu Aufwallungen. Dass er sich für seine Uraufführung, tatkräftig unterstützt durch den Winterthurer Mäzen Werner Reinhart, mitten im Krieg mit dem ersten Opernhaus im nationalsozialistischen Deutschland zusammengetan und, mehr...
