Weibliche Autonomie
Nicht mehr als eine Szene benötigt Yona Kim in ihrer luziden Mannheimer «Carmen»-Inszenierung, um den Zuschauer ahnen zu lassen, was von José zu halten ist – ein Don ist er nicht, wie er den Brief seiner Mutter, den ihm Micaëla gebracht hat, achtlos zu Boden fallen lässt. Das beigelegte Geld dagegen hat er genau gezählt und gierig in die Hosentasche gestopft. Micaëlas Bericht von der Mutter, ihre Sohnesliebesgrüße hört er kaum, stattdessen nestelt er abgewandt an der weißen Blume, die ihm Carmen vorhin vor die Füße geschmissen hat.
Und singt Micaëla vom Kuss, den sie überbringt, lässt sie sich dabei willig von Don José zu Boden ziehen, doch ihr Körper, auf dem er liegt, ist nur ein schaler Ersatz für sein Begehren, das allein Carmen gilt.
In Kims dezentem Psychogramm bleibt Don José ein einfacher Soldat, vom Charakter ist er ein komplexer Ich-Mensch: sentimental, sozial beschädigt, von Begierden und Eifersucht getrieben. Er ist körperlich stark, kein Weichling, ein viriler Gegenpart zu Escamillo, so dass sein Sieg über den Torero, später beim Messerkampf in den Bergen, folgerichtig wirkt. Das Beziehungsquartett Carmen-José-Micaëla-Escamillo wird mit energischen Strichen ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Götz Thieme
Ein Schuss in völliger Dunkelheit. Ein Aufschrei. Knall auf Fall sieht sich das Publikum in die Gegenwart verabschiedet, die sich prinzipiell nicht unterscheidet von dem Geschehen auf der Bühne. Auf der Place de Neuve wirkt zwar alles friedlich. Aber etwas weiter weg könnte man sich ein Theater, wie Heike Scheele es auf die Bühne des Grand Théâtre gebaut hat,...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren im Februar 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B =...
Janusz feiert, was der Volksmund «Hirnfasching» nennt, spult den Film seines Lebens vor und zurück. Realität oder Halluzination? Wer weiß. Er hat ein junges Mädchen verführt und in den Tod getrieben; sein schlechtes Gewissen lässt ihn die Orientierung verlieren. Die Zuschauer rätseln mit ihm – und das sollen sie nach dem Willen von Mariusz Treliński auch. Denn der...
