Kreisende Zeit

Moniuszko: Halka
WIEN | THEATER AN DER WIEN

Opernwelt - Logo

Janusz feiert, was der Volksmund «Hirnfasching» nennt, spult den Film seines Lebens vor und zurück. Realität oder Halluzination? Wer weiß. Er hat ein junges Mädchen verführt und in den Tod getrieben; sein schlechtes Gewissen lässt ihn die Orientierung verlieren. Die Zuschauer rätseln mit ihm – und das sollen sie nach dem Willen von Mariusz Treliński auch.

Denn der Regisseur hat für seine Inszenierung von Stanisław Moniuszkos «Halka» am Theater an der Wien die «Idee der kreisförmigen Natur der Zeit» entdeckt und Echtzeit-Ereignisse mit Erinnerungen verflochten, «so dass das Publikum die Möglichkeit verliert, zu unterscheiden». Das ist cineastisch gedacht – kein Zufall, denn Treliński, nunmehr Chef des Teatr Wielki in Warschau, kommt vom Film und wurde etwa durch Streifen wie «Farewell to Autumn» (1990) bekannt.

Er inszenierte diese Oper zum ersten Mal, das Ergebnis ist nach den Aufführungen am Theater an der Wien ab Februar auch in Warschau zu sehen. Schon die ursprünglich im 18. Jahrhundert spielende Handlung forciert eine Art «#HerToo»-Deutung, jener in der Romantik so beliebte Topos der betrogenen und misshandelten weiblichen Unschuld. Hinzu kommt die soziale Komponente: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Süffige Melodik, herbe Poesie

Christina Pluhar hat 2005 mit der Sopranistin Véronique Gens eine CD mit vokaler Kammermusik von Luigi Rossi (1597-1653) aufgenommen. Ein Rechtsstreit verhinderte damals das Erscheinen, nach dessen Beilegung die von Rossi begeisterte Pluhar sie jetzt um zwei weitere CDs mit Kantaten des diskografisch bislang nur unzureichend gewürdigten römischen Komponisten...

Wider die Macht des Schicksals

Strukturelle Improvisation – diese Formel trifft ziemlich genau, was Christian Jost anstrebt, wenn er neue Musik erfindet. Vor 15 Jahren brachte die Rheinoper in Düsseldorf sein erstes abendfüllendes Musiktheater heraus: «Vipern», eine griffig konstruierte Kriminalgeschichte aus dem elisabethanischen England. Seither sind sieben weitere Arbeiten für die Bühne...

Du bist, was du bist

Es ist ein weites Feld – Kinderoper. Ein Genre, über dessen Notwendigkeit sich Theaterschaffende wohl im Grundsatz einig sind, das aber nicht immer mit hinreichender Kreativität gesegnet ist. Denn Kinderoper heißt nicht nur «Kleine Zauberflöte». Eva Kleinitz, der im Frühjahr 2019 verstorbenen Intendantin der Opéra national du Rhin, war sie eine...