Was heißt musikalische Moderne?

Werke von Arnold Schönberg, Carl Nielsen und Karlheinz Stockhausen standen im Mittelpunkt des Musikfestes der Berliner Festspiele. Komponisten, die grundverschiedene Sprachen sprechen. «Moderne» kann vieles bedeuten. Wir dokumentieren einen Vortrag von Stephan Mösch und würdigen wichtige Aufführungen des diesjährigen Programms

Opernwelt - Logo

Was heißt musikalische Moderne? Ich will dieser Frage, angeregt durch das aktuelle Programm des Musikfestes und besonders durch den Schwerpunkt Arnold Schönberg, ein paar aphoristische Gedanken widmen. Eine kleine Etüde gewissermaßen, die den Begriff umspielt. Wie fast jede Etüde beginnt sie in einer festen Tonart, um sich dann für heilsame Verwirrung zu öffnen.

Eigentlich scheint ja alles klar. Schönbergs «Pierrot lunaire», den wir im Ohr haben, wurde 1912 in Berlin uraufgeführt. Das ist die Zeit, in der sich das formte, was man gemeinhin musikalische Moderne nennt.

1909 hatte Schönberg seine wegweisenden Drei Klavierstücke op. 11 geschrieben. Seitdem gelten Dissonanzen und Konsonanzen als gleichberechtigt, seitdem gibt es Neue Musik – mit großem und emphatisch gemeintem «N».

Charles Ives, der nur ein paar Wochen nach Schönberg geboren wurde, hatte mit «The Unanswered Question» sozusagen eine Urfrage der klingenden Moderne formuliert und der Trompete anvertraut. 1906 war das. Ives plädierte für musikalische Offenheit, für eine Musik also ohne jede Absicherung. In seinem bürgerlichen Leben war er übrigens für das Gegenteil zuständig: für maximale Absicherung. Er war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2015
Rubrik: Musikfest Berlin, Seite 54
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Materialisierung des Spirituellen

Mark Andres metaphysisches Mysterienspiel «wunderzaichen» ist ein gleichermaßen herausforderndes wie fragiles, verstörendes wie betörendes Werk. Mit seiner manifesten Sehnsucht nach Präsenz des Utopischen, seiner Materialisierung des Geistigen schließt es an Luigi Nonos «Prometeo», mit seiner Thematik im Spannungsfeld von jüdischer Mystik und christlicher...

Spielpläne

ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme



Deutschland

Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
www.theater-aachen.de
– Tosca: 1., 21.
– Gold!: 5.
– West Side Story: 7., 13., 22., 28.
– Händel, Orlando: 8. (P), 14., 20., 29.11.;...

Mutterflucht

Geboren wurde er im August, da das Licht flirrend hell ist und scharfe Schatten wirft. Doch Heinrich Marschner (1795–1861) lebte, als wandelte er stets im Novembernebel; er litt, schreibt Oskar Bie, an seinem Wesen, seiner Liebe, seinem Amte, an seinen Prinzipien und seinen Werken. Marschners Leben und Charakter habe sich, von ferne gesehen, wie ein dunkler Spiegel...