Warten am Fluss
Es war ein Triumph des entfesselten Theaters, dieser erste Teil der Doppeluraufführung zweier Einakter des bislang mehr als Dirigent denn als Komponist hervorgetretenen Johannes Harneit. Unablässig bewegten sich die Hubpodien, hievten Chormassen auf die Szene und entsorgten sie dann wieder im Untergrund.
Was Peter Konwitschny und sein Bühnen- und Kostümbildner Helmut Brade an atemraubend virtuosen Auftritten und plakativen Bildern vor den Augen der Zuschauer abrollen ließen, war nicht Theater als ästhetisierender Selbstzweck, aber auch nicht Theater mit dem politischen Holzhammer, wie Äußerungen im Vorfeld der Premiere befürchten ließen. Konwitschny, der mit gezügelter Fantasie streng den allerdings arg raunenden Andeutungen des collageartigen Librettos wie den Vorgaben der Partitur folgte, knüpfte vielmehr mit der Gratwanderung zwischen geschärfter Aktualität und spielerischer Überzeichnung an seine gemeinsam mit Harneit und Brade verantwortete Hannoveraner Inszenierung von Luigi Nonos Revolutionsoper «Al gran sole carico d’amore» an (siehe OW 7/2004).
Nono ist denn auch der Pate der beiden Einakter, der Tragödie «Abends am Fluss» und des Satyrspiels «Hochwasser», die Konwitschny ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Politisches Musiktheater, Seite 22
von Uwe Schweikert
«Tut wu-a yeri enti / Waa wau yeri wenenet.» Schon die Sprache schafft Distanz. Echnaton, der Pharao mit den radikalen Ideen und der unstillbaren Sehnsucht nach dem Licht, preist den Schöpfer der Dinge und des Lebens, der die Menschen mit seinen Augen und die Götter mit seinem Mund schuf, (meist) in altägyptischer Sprache: «Perer en rem em yertif / Cheper netscheru...
Als Michael Spyres triumphal sein hohes E in den Saal geschleudert hatte, nur um am Ende doch mit seiner ebenfalls bewundernswert höhensicheren Belcanto-Geliebten Joyce El-Khoury unter klingender Anteilnahme von Mark Elder und dem Orchestra of the Age of Enlightenment (OAE) von hungrigen Löwen verspeist zu werden, tobte das Publikum in der Londoner Royal Festival...
Glucks Reformopern begegnet man mit Respekt, aber die Bühne tut sich schwer mit ihnen. Auch wenn sie längst nicht mehr auf «edle Einfalt» und «stille Größe» getrimmt werden, schreckt ihre «verteufelte Humanität» noch immer ab. Dieser Einschüchterung sind im Gluck-Jahr 2014 nur zwei Inszenierungen – Romeo Castelluccis Wiener «Orfeo» und die «Paride ed Elena» des...
