Theater der Grausamkeit
Glucks Reformopern begegnet man mit Respekt, aber die Bühne tut sich schwer mit ihnen. Auch wenn sie längst nicht mehr auf «edle Einfalt» und «stille Größe» getrimmt werden, schreckt ihre «verteufelte Humanität» noch immer ab. Dieser Einschüchterung sind im Gluck-Jahr 2014 nur zwei Inszenierungen – Romeo Castelluccis Wiener «Orfeo» und die «Paride ed Elena» des jungen Sebastian Hirn bei den Nürnberger Gluck-Festspielen (siehe OW 7 bzw. 9-10/2014) – durch ihren Mut zum Experiment entronnen.
In dieselbe Richtung, wenn auch mit scheinbar konventionelleren, allerdings ganz unkonventionell verwendeten szenischen Mitteln, zielt auch Dietrich Hilsdorfs gleichermaßen verstörende wie subtile Mannheimer Inszenierung der französischen «Alceste».
Bis in die jüngste Zeit galt Glucks Version vom freiwilligen Opfertod der Alkestis als Zeugnis einer Individualisierung und Humanisierung des antiken Mythos, bei der ethische Menschlichkeit den Sieg über die blinde Macht des Schicksals davonträgt. Hilsdorf traut dem gipsernen Ideal nicht. Er hält sich in seiner atmosphärisch dichten, das Zeitkolorit bis in die farbenprächtigen Kostüme Renate Schmitzers bewahrenden Sicht eng an Glucks so faszinierend ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Frau Schneider, wie kam es eigentlich zum Fachwechsel?
Das hat sich so ergeben, da bin ich reingewachsen. Ich dachte immer, ich singe die Königin, bis ich 50 bin ... Die Stimme hat sich allerdings anders entwickelt, und ich bin gottfroh darüber. Die Donna Anna in Stuttgart wollte ich damals adäquater singen, breiter, dicker im Ton. Das war der erste Schritt. Noch...
Herr Tcherniakov, kürzlich haben Komponisten, Sänger, Regisseure, Bühnenbildner, Operndirektoren und Dramaturgen in Heidelberg einen ganzen Tag lang über «politisches Musiktheater heute» diskutiert. Können Sie mit diesem Begriff etwas anfangen? Hat er eine Bedeutung für Ihre Arbeit?
(überlegt lange) Es gab vielleicht mal Zeiten, in denen dieser Begriff wichtig war....
Als Donizettis «Don Pasquale» 1843 uraufgeführt wurde, kam dem Rezensenten der «Leipziger Illustrirten Zeitung» die äußerliche Handlung reichlich abgestanden vor. Der alte Geizhals Don Pasquale, der sich eine junge Frau angelt, um dann unter ihren Pantoffel gestellt zu werden, sei der «Schatten eines längst Abgestorbenen, den man vergessen hat zu beerdigen, und der...
