Wahrheit des Lebens
Nach dem großen Erfolg der Uraufführung von Axel Nowitz’ «Bestmannoper» (siehe OW 6/2006) machte das Theater Osnabrück mit Janáceks «Jenufa» ein zweites Mal mit Nachdruck darauf aufmerksam, welcher Stellenwert dem Musiktheater an diesem Haus unter der neuen Intendanz zukommt. Gegeben wurde die von allen Retuschen späterer Bearbeiter befreite Brünner Originalfassung, gesungen – zum Vorteil des Publikums – in der deutschen Übersetzung Max Brods.
Die junge Regisseurin Elisabeth Stöppler, die das ländliche Eifersuchtsdrama ohne gewaltsame Aktualisierung in die unmittelbare Gegenwart rückte, fokussierte das Spiel ganz auf den Gegensatz der Küsterin und ihrer Stieftochter Jenufa, wie er im Originaltitel des Werks («Ihre Ziehtochter») als zentrales Motiv zum Ausdruck kommt. Helen Field gab ein eindringliches, ja brennendes Porträt der an ihrer unglücklichen Ehe zerbrochenen Küsterin – klein, fast kindlich schmal von Gestalt und ganz in Schwarz gekleidet, vermittelte sie in ihrem Auftreten zugleich die Unsicherheit der im Leben zu kurz gekommenen Frau und die auftrumpfende Härte, ja Überheblichkeit des schützenden Moralpanzers, mit dem sie ihre familiäre Machtposition umgibt. Field machte ...
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Schon während der Ouvertüre läuft das Verbeugungsritual ab. Figaro und Susanna, Graf und Gräfin, Marcellina und Basilio nehmen ihre Solovorhänge entgegen, zeigen große Freude über die offenbar gelungene Aufführung. Doch schnell bröckelt die Fassade, Eitelkeiten und Intrigen brechen durch, schließlich prügeln sie sich wie die Kesselflicker. In dieser Truppe stimmt...
Was für eine schlichte, suggestive, kalte Bühne: ein mit orangefarbenem Teppichboden ausgelegtes Glashaus mit Schiebewänden, schräg in einen von Erde bedeckten, bühnenhohen Raum aus Brettern hineingestellt und hell erleuchtet. Darin eine schöne, elegante Blondine, hinter ihr aufgereiht zwei Dutzend High Heels. Draußen sitzen, links und rechts, echte Schäferhunde.
D...
Die Bühne ist leer. Kein Thron, kein Schloss, kein Wald. Nur dieser große, dunkle Kasten, mit einem leeren Podest in der Mitte. Von der Seite fahren manchmal Paneele auf die Szene, geräuschlos, wie von Geisterhand geführt. Abstrakte Schutzschilder, hinter denen bald Macbeth und die Lady, bald Duncan, Banquo oder Macduff auftauchen und wieder verschwinden....
