Wagner predigen, Europa trinken

Hervé Niquet entreißt Victorin Joncières’ 1876 uraufgeführten «Dimitri» dem Vergessen

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Die Entdeckungsreise geht weiter: Nach Jules Massenets «Le Mage» bringt die auf französische Musik des 19. Jahrhunderts fokussierte Stiftung Palazetto Bru Zane nun «Dimitri» von Victorin Joncières heraus – wieder in edler Ausstattung, als gebundenes, zweisprachiges Buch, bei dem die CDs im Umschlag stecken. Hintergrundinformation tut hier allerdings auch Not, denn selbst Kennern der Epoche ist Joncières ­allenfalls als Pariser Musikkritiker bekannt. Dabei hat er gar nicht wenig komponiert. Wenngleich mit bescheidenem Erfolg.

Sein einziger Hit, 1876 am Pariser Théâtre-Lyrique uraufgeführt und 1890 noch einmal an der Opéra Comique aufgenommen, war «Dimitri», ein Drama aus dem Russland des Jahres 1605, in dem der Sohn Ivans des Schrecklichen mit Boris Godunow um die Zarenkrone ringt und sich gleichzeitig privat in einer schwierigen Dreiecksbeziehung zurechtfinden muss.

Mit den Brüsseler Philharmonikern, dem Flemish Radio Choir und einer exquisiten Solistentruppe hat Hervé Niquet eine Interpretation des Werks erarbeitet, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Niquet bringt jedes Detail der skrupulös ­gearbeiteten Instrumentation zum Funkeln, Philippe Talbot gibt mit hellem, ...

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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Frederik Hanssen

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