Vorgeführt
Unter den Regisseuren der mittleren Generation ist Sebastian Baumgarten der heftigste Dekonstruktivist. Er bricht die überlieferten Texte – ob Schauspiel oder Oper – mit Brachialgewalt auf und holt sie ins Heute. Sein umstrittener, in einer Biogasanlage spielender Bayreuther «Tannhäuser» sorgte im Festspieljahr 2011 für nachhaltige Erregung. Jüngst hat er am Hamburger Schauspielhaus mit der «Ballade vom Fliegenden Holländer» das Stück gleich ganz verabschiedet und eine aus Wagners Anregern und Vorlagen gemixte Collage, mit Hauschkas fetziger Musik, auf die Bühne gestellt.
Wer mit diesen Erwartungen ins Stuttgarter Schauspielhaus kam, wo Baumgarten jetzt mit der «Dreigroschenoper» (Premiere am 12. Juni 2014) ein längst zum kulinarischen Kultobjekt entschärftes Erfolgsstück der Roaring Twenties herausbrachte, sah sich aufs Erste enttäuscht. Baumgarten hat in die Dramaturgie des Originals kaum eingegriffen, von Weills Musiknummern nur den «Salomo-Song» gestrichen. Brechts Dialoge sind allerdings kräftig gekürzt, zeitgemäß (nicht immer zu ihrem Vorteil) geliftet und mit lokalen Anspielungen aufgepeppt. So wird das Ganze in Thilo Reuthers bewusst hässlicher, scheinbar aufs Geratewohl ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert
Ach, Israel! In der Jerusalemer Altstadt feiern Familien ausgelassen Bar Mizwa, Pilger steigen staunend bergan zur Grabeskirche, und in den schattigen Gassen des arabischen Viertels hängt schwer der Duft nach Leder und Gewürzen. Kühl rinnt die Zitronenlimonade die Kehle hinab. «Israel ist mehr als ein Krisengebiet», sagt uns Tourismusminister Uri Landau, als wir...
Es war angerichtet: Herz, Hirn auf dem Teller, Messer und Gabel daneben. So präsentierten sich die Wiener Festwochen 2014 in Olaf Ostens grafischem Konzept als corporate identity. Herz und Hirn, Emotion und Verstand – das mag auf den ersten Blick banal wirken, doch brachte der neue Festwochenintendant Markus Hinterhäuser die beiden Grundstoffe menschlichen Wesens...
Auch im Jahr nach seinem 100. Geburtstag steht Benjamin Britten weltweit auf den Spielplänen der Opernhäuser – was einmal mehr unterstreicht, dass es ihm als vorerst letztem Komponisten gelungen ist, mit seinem Schaffen im Repertoirebetrieb allgegenwärtig zu sein. Das liegt nicht nur an der musikdramatischen Stringenz der Werke, sondern auch an ihren verstörenden,...
