Vive la périphérie!
Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der Revolution die Fäden von Politik, Wirtschaft und Kultur noch immer in Paris zusammen. Das ist die gefühlte Wahrheit. Mit anderen Worten: Wer nach ganz oben will, muss in die Kapitale, auf den französischen Olymp.
Wer es «nur» in der Provinz schafft, hat es nicht geschafft.
Nehmen wir Nicolas Joël. Der gebürtige Pariser hat an den großen Häusern Europas und Amerikas inszeniert und fast zwei Jahrzehnte lang das schmucke Théâtre du Capitole geführt. Vermutlich das einzige Musiktheater, das in einem Rathaus spielt. Doch leider steht es nicht an der Seine, sondern an der Garonne – in Toulouse, der viertgrößten Stadt Frankreichs. Vor dreieinhalb Jahren folgte Joël deshalb mit Kusshand einem Ruf an die Opéra National, um das kapriziöse Pariser Publikum zu besänftigen, das sich immer wieder über den antikulinarischen Stil Gerard ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Albrecht Thiemann
Am 6. Juli 2013 jährt sich zum vierzigsten Mal der Todestag Otto Klemperers. EMI Classics greift aus diesem Anlass tief in ihre Archivbestände und legt die diskografische Hinterlassenschaft des Dirigenten, der als strenger Sachwalter des klassisch-romantischen Repertoires Interpretationsgeschichte geschrieben hat, in einer voluminösen, auf 78 CDs berechneten...
Lulu, die Schlange, das süße Tier, die Urgestalt des Weibes, wie sie der Tierbändiger im Prolog von Bergs Oper nennt – ist dieses von jeglicher Ratio und sozialer Verantwortung befreite Wesen aus vier Buchstaben überhaupt ein Mensch? Oder ist sie eher eine literarische Konstruktion, ein abstraktes Symbol aller männlichen Ängste vor dem Unkontrollierbaren,...
Eines der aufwendigsten «Ring»-Projekte der letzten Jahre fand an der Metropolitan Opera statt: die viel beachtete Inszenierung von Robert Lepage, die in deutschen Kinosälen zu verfolgen war (vgl. OW 11/2010, 6/2011, 11/2011, 3/2012). Lepage war die Aufgabe zugefallen, die jahrzehntealte und beliebte Otto-Schenk-Inszenierung abzulösen. Jahrelang haben, wie der...
