Vivaldi und kein Ende

Die Gesamtedition präsentiert den Erstling «Ottone in villa», die EMI versammelt ein All-Star-Aufgebot für die Rekonstruktion des «Ercole sul Termodonte», und Topi Lehtipuu widmet sich den Tenorarien

Opernwelt - Logo

Bei seinem Debüt als Opernkomponist ging Antonio Vivaldi umsichtig vor. Obwohl er bereits Erfahrung als Arienzulieferer für andere Komponisten besaß, wich der 35-Jährige nicht nur von Venedig ins nahe Vicenza aus, sondern suchte sich auch ein Stück von kammerspielhafter Dimension aus: Mit fünf Rollen, ohne Chor ist «Ottone in Villa» die kleinste aller Vivaldi-Opern.

Dennoch ist der «Ottone» weit mehr als ein Versuch: Vivaldis Erfahrung als Instrumentalkomponist schimmert im brillanten Orchestersatz allenthalben durch, und dass die Gesangspartien noch nicht die kühnen Intervallsprünge aufweisen, die bald zu einem Hauptmerkmal von Vivaldis Vokalstil werden sollten, liegt wohl eher daran, dass das kleine Vicenza nicht die allererste Sängergarde aufbieten konnte. Vor allem aber ist der «Ottone» ein Stück, das schon die typische sarkastische Ironie aufweist, die später Stücke wie «La verità in cimento» und «Il Giustino» prägen sollte. Kein Wunder, dass die Geschichte vom Kaiser Ottone, der sich lieber vergnügt, als seinen Amtsgeschäften nachzugehen, und seiner durchtriebenen Mätresse Cleonilla inzwischen zu den erfolgreichsten Vivaldi-Opern der Neuzeit gehört: Das Werk wurde nicht nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 16
von Jörg Königsdor

Weitere Beiträge
Aktion statt Konzept

Manchmal gibt es merkwürdige Synchronizitäten. Im Juni 2010 widmete sich Claus Guth an der Wiener Staatsoper bereits zum zweiten Mal Wagners «Tannhäuser» und zeigte einen Titelhelden, dem alles Heldische fremd blieb, der vielmehr zwischen Realität und Virtualität gefangen schien und nach diversen inneren und äußeren K(r)ämpfen schließlich im Irrenhaus landete...

Stimmungen, Verstimmungen

Ein Opernhaus ist ein Organismus eigener Art. Es kann sein, dass Hunderte von Menschen an einer Neuproduktion mitwirken. Ihre Berufe sind denkbar verschieden: vom Maler bis zum Paukisten, vom Schuster zum Beleuchter, vom Korrepetitor zur Probendisponentin. Laut Tarifvertrag sind sie unterteilt in «künstlerisches» und «nichtkünstlerisches» Personal. Das kann zu...

Die Klassenkämpferin

Kaum ein Repertoire-Hit ist derart umstellt von Klischees wie «Carmen». An der Bonner Oper verweigert der junge Regisseur Florian Lutz jede Bilderbuch-Spanien-Folklore und spielt allenfalls ironisch aufs Lokalkolorit an, wenn er vereinzelt ein paar Volants und gepunktete Röcke aufblitzen lässt (Bühne und Kostüme: Andrea Kannapee). Stattdessen spitzt er das sattsam...