Visionäre Cluster
Der tschechische Komponist Alois Hába (1893-1973) gehört zu den oft genannten künstlerischen Experimentatoren des 20. Jahrhunderts. Sein Name ist mit der Entwicklung einer eigenwilligen Mikrotonalität, einer konsequenten Viertel- und Sechsteltonmusik verbunden. Sie eröffnete ihm, etwa zeitgleich mit Alexander Skrjabin, Arnold Schönberg und Josef Matthias Hauer, einen probaten Weg zur Überwindung des Dur-Moll-Systems. Seinen bekanntesten und wohl bedeutendsten Niederschlag fand das in der Oper «Die Mutter».
Unaufgeführt blieb bis vor Kurzem das ebenfalls abendfüllende dreiaktige Bühnenwerk «Das kommende Königreich» («Prijd královstvi Tvé»), entstanden zwischen 1937 und 1942, das (nach einem eigenen Libretto des Komponisten) nichts weniger verkörpert als eine visionäre Synthese von Idealkommunismus und Anthroposophie. Hába setzte sich damit krachend zwischen alle ideologischen Stühle.
Obgleich wegen seiner «linken» Gesinnung im Realsozialismus einigermaßen wohlgelitten, konnte er mit dem politisch-religiösen Bekenntnisoratorium (dessen Nebeneinander von Agitprop-Arbeiterchören und mystischen Allegorien wie Christus, Ahriman und Luzifer dem nüchternen Musikerfreund Hanns Eisler ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Hans-Klaus Jungheinrich
Gefühlt hätte der Stoff für zwei, drei Opern gereicht. Doch Rodolphes Vernarrtheit in Agnès, die seinen Bruder heiraten muss, das Auffliegen dieser Liebe, Rodolphes Verbannung – all das geschieht im ersten Akt von Gounods «Nonne sanglante». Da gespenstert die blutige Gottesbraut noch gar nicht durch die Gänge. Agnès soll als besagte Nonne verkleidet fliehen....
Je unpoetischer eine Nation oder Zeit ist, desto leichter sieht sie Scherz für Satire an, so wie sie umgekehrt die Satire mehr in Scherz verwandelt, je unsittlicher sie wird.» Jean Pauls Diktum aus seiner «Vorschule der Ästhetik» sollte allen Theatermachern zu denken geben, denen die Komödie und die Opera buffa am Herzen liegen. Nichts ist hier so, wie es zu sein...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
