Violetta im Park
Als es ans Sterben geht, wird es feucht. Nicht nur in den Augen mancher Zuhörer, sondern auch am Himmel. Doch der Wettergott hat ein Einsehen, es tröpfelt nur ein wenig. Keiner der 2000 zahlenden Besucher und der 20 000 erwünschten Zaungäste muss weichen, ehe Violetta Valery ihr Leben ausgehaucht hat. Niemand möchte missen, was Marina Rebeka zu singen hat. Kurzfristig für Anita Hartig eingesprungen, war sie alles andere als zweite Wahl: warmherzig, wohltönend, betörend – ein bisschen wie die junge Anna Netrebko, aber mit mehr Umdrehungen.
Francesco Demuro als höhensicher schwärmender Alfredo und Grandseigneur Thomas Hampson als gestrenger Vater Germont ergänzen in dieser «Traviata»-Aufführung das Star-Trio, hinter dem sich das Restensemble, der Chor und die NDR Radiophilharmonie nicht verstecken müssen. Der Sound ist bemerkenswert gut, und wer nicht einen der (nicht ganz billigen) Plätze auf der Rücktreppe des bürgerprotzigen Neuen Rathauses erstehen wollte, konnte alles gratis auf einer großen Leinwand auf der Wiese daneben erleben.
Zu sehen gibt es eine halbszenische Aufführung (Michael Valentin), die mit wenigen Requisiten (Sofa, Spieltisch, Totenbett, zwei Kronleuchter) die ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Rainer Wagner
Auf dem Cours Mirabeau und den anderen platanenumsäumten Boulevards flaniert sich’s wie immer, aber an Brennpunkten des öffentlichen Lebens wird die Veränderung doch merklich. Die liberté aus der Wunschparole der großen Revolution wird von der sécurité angefressen, und wo, bitte schön, ist die fraternité geblieben? Egalité wird an den Festspieleingängen...
Anfang August hat der Deutsche Bühnenverein mal wieder Zahlen veröffentlicht, die sogenannte Werkstatistik. Die Saison 2014/15 nach Sparten sortiert, in Tabellen quantifiziert, auf 416 Seiten. Neue Einsichten? Nicht wirklich. In der Oper liegen die üblichen Verdächtigen vorn. Allerdings hat Mozart diesmal die Chart-Krone an Verdi verloren. Mit 124...
Bellinis «I puritani» spielen im England des 17. Jahrhunderts, wo Puritaner und Katholiken sich unversöhnlich im Bürgerkrieg gegenüber stehen. Elvira, die Tochter des puritanischen Gouverneurs, ist überglücklich, als sie erfährt, dass sie nicht Riccardo heiraten muss, sondern ihren Märchenprinzen kriegt, den katholischen Lord Arturo. Doch das schnelle Happy End...
