Mahnzeichen
Auf dem Cours Mirabeau und den anderen platanenumsäumten Boulevards flaniert sich’s wie immer, aber an Brennpunkten des öffentlichen Lebens wird die Veränderung doch merklich. Die liberté aus der Wunschparole der großen Revolution wird von der sécurité angefressen, und wo, bitte schön, ist die fraternité geblieben? Egalité wird an den Festspieleingängen praktiziert, die keiner undurchleuchtet passiert – das Publikum nimmt’s mit einer südländisch inspirierten Mischung aus Gelassenheit und Geschäftsmäßigkeit.
Auch beim allgemeinen Outfit herrscht kein durchweg feierliches Gehabe. Die Herren zeigen auch bei Indoor-Premieren die volle Palette vom schwarzen Anzug bis zu Shorts und Buschhemd; die Damen erscheinen keinen Strich stärker eingeschränkt.
Bernard Foccroulle präsentiert in Aix-en-Provence seine letzte Sommerspielzeit. Pierre Audi, der ewige Opernchef in Amsterdam, steht schon in der Kulisse, um im Herbst das Amt des directeur général anzutreten und den nächsten Jahrgang weiter vorzubereiten. Foccroulle übernahm von seinem Vorgänger Stéphane Lissner das Konzept der Koproduktionen, wodurch offenbar eine Entlastung des Budgets gewährleistet ist. Ein besonders nachhaltiger ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Hans-Klaus Jungheinrich
Frau Prohaska, Sie haben kürzlich ein Album mit Arien von Purcell, Graupner, Sartorio, Locke, Castrovillari, Händel, Hasse und Cavalli veröffentlicht. Titel: «Serpent & Fire» – ein blütenreines Konzeptalbum. Warum ist das nicht bei Ihrem Haus-Label, der Deutschen Grammophon, erschienen?
Es war dort geplant. Als sich die Führungsstruktur bei der Deutschen Grammophon...
Am Ende des zweiten Akts von Luigi Cherubinis «Ifigenia in Aulide» sind vier Seelen in Aufruhr. Agamemnon soll seine Tochter Iphigenie opfern, damit die Göttin Diana ihm Winde schickt und seine Schiffe endlich nach Troja auslaufen können. Iphigenie will sich dem Schicksal fügen, aber Achill, ihr Verlobter, ist nicht einverstanden. Odysseus drängt, den Willen Dianas...
Es sollte die letzte Festivalsaison des langjährigen Intendanten sein. Seit 1982 hatte Raymond Duffaut die Chorégies d’Orange geleitet, viele Sternstunden im antiken Amphitheater sind ihm zu verdanken. Doch sein Abschied kam früher als erwartet: Als der rechtsextreme Oberbürgermeister von Orange vor einigen Monaten seine Stellvertreterin als Vorsitzende des...
