Viel Lärm um nichts

Berlin (Komische Oper): Beethoven: Fidelio

Opernwelt - Logo

Krass auseinanderdriftende Premierenkritiken, heftige Publikumsreaktionen noch in der dritten Vorstellung: Den Titel der «umstrittensten Produktion der Saison» dürfte die Komische Oper für ihren neuen «Fidelio» sicher haben. Nach den letzten, erschreckend belanglosen Premieren («Don Pasquale», «Orlando») kann man das immerhin als Lebenszeichen werten – ob der Beethoven-Dekonstruktionsversuch Benedikt von Peters ein ähnlicher Schock-Hit wird wie seinerzeit Calixto Bieitos «Entführung», darf allerdings bezweifelt werden. Denn dazu ist der Abend schlichtweg zu langweilig.



Was nicht einmal an von Peters Konzept liegt: Zwar kommt einem die Idee eines Theaters, dessen Requisiten und Kostüme mitsamt seiner humanistischen Ideale von der schnöden Gegenwart erst im Container entsorgt werden soll, sich dann aber doch als überlebenskräftig erweist, irgendwie bekannt vor (etwa von Peter Konwitschnys Grazer «Falstaff»), doch für ein so befrachtetes Stück wie «Fidelio» passt sie gar nicht schlecht. Und auch die Botschaft allumfassender Menschenliebe, die am Ende alle ideologischen Beschränkungen überwindet, macht als utopisches Destillat der Beethoven-Epoche Sinn. Dass es dennoch bei einer guten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Unterbau der Übertitel

Die Komische Oper Berlin macht es vor. Seit Beginn der Saison 2009/10 kann der Besucher an einem kleinen Videobildschirm zwischen deutschen und englischen Untertiteln wählen, eine Erweiterung auf zehn Sprachen ist in Planung. Was auf der einen Seite komfortabler Luxus für das internationale Publikum ist, stellt den fremdsprachigen Hörer auf der anderen Seite vor...

Im Focus der Opernwelt: Juni 2010

Frauen des Fin de Siècle sind angesagt. Besonders die Mischung aus Femme
fatale und Femme enfant, Heilsbringerin und Hure, Objekt und Selbstbehauptung hat viele Komponisten angeregt. Eine ganze Reihe von Opernhäusern (vom puppenstubenhaften Freiberg über das mittlere Kaiserslautern bis zur Semperoper in Dresden) macht derzeit mit schillernden Frauenfiguren bekannt,...

Neue Ausgabe der Opernwelt

Schillernde Frauenfiguren gilt es dieses Mal zu entdecken: Esmeralda und Katjuscha, Heliane und Nana. Sie alle entstammen selten gespielten Opern des Fin de Siècle, die die Opern von Freiberg, Kaiserslautern, Dresden und Erfurt wieder entdeckt haben. Weiter

Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe:

Im Interview:
Mariss Jansons. Der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters...