Viel Aufwand, wenig Wirkung
Schon mal was von ASMR gehört? Wir auch nicht. Autonomous Sensory Meridian Response – so nennt die Medizin eine Körperreaktion, die sich wie ein wohliges Kribbeln auf der Haut anfühlt. Manchmal wird es durch eine leichte Berührung ausgelöst, manchmal durch den Tonfall einer Stimme oder ein Geräusch. Was da genau passiert und warum, ist wissenschaftlich bislang kaum untersucht worden.
Der Komponistin Chaya Czernowin ist das Phänomen offenbar so vertraut, dass es in ihrer neuen Oper als eine Art Motto firmiert: Gleich drei Abschnitte der Partitur sind mit dem Kürzel ASMR überschrieben – sprachlose Passagen, in denen zum Beispiel, elektronisch verstärkt und verfremdet, Atemluft zischelt, Murmeln rollen, Kämme sirren. Elektrisierende Schauer laufen beim Hören allerdings nicht über den Rücken, auch wenn eine mit dem Kontrabass verkuppelte Vokalartistin zwei scheue «hahaha»-Triolen beisteuert, die vier Solisten verstohlen Frikative stammeln und ein Instrumentalquartett (Sopransaxofon, E-Gitarre, Schlagwerk, Klavier) ein paar Klangtupfer einstreut.
«Heart Chamber» hat Czernowin ihre vierte Arbeit für die Musiktheaterbühne genannt. Untertitel: «An inquiry about love». Die Story: Eine ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann
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Im ersten Akt tauschen die Anführer am Strand von Mexiko Geschenke. Der Mexikaner Telasco bringt Gold, Blumen und reizende Frauen, Cortez antwortet mit einem Degen. Das also sind die Geschenke Europas – vielleicht werden die Spanier sie eines Tages in unseren Händen wiederfinden, ist Telascos bestürzte und zugleich stolze Antwort. Als Gaspare Spontinis «Fernand...
Wenn eine Welt, in der Adolf Hitler geradewegs mit Gott identisch ist, auf der Opernbühne reflektiert wird, dann muss sich «Wotan» gar unheilig imperfekt und respektlos auf «Truthahn» reimen. Dann erheben sich rechte Arme nicht nur einfach so immer wieder zum deutschen Gruß stramm himmelwärts. Derlei Gesten aus dunkeldeutscher Zeit werden vom Orchester allzu gern...
