Vertraue dem Orchester!
Den Titel «Gewandhauskapellmeister» gibt es immer noch. In den bisher stürmischsten Zeiten des Orchesters trug ihn Kurt Masur, zu Recht. Kapellmeister – das ist ein Ehrentitel, die Übersetzung des italienischen «Maestro di cappella». Es gibt ihn also nicht, den von den Medien immer wieder herbeigeredeten Qualitätsunterschied zwischen «Maestro» und «Kapellmeister». Und Kurt Masur war viel mehr als das: Wir haben auch den Hausvater eines Konzerthauses verloren, das ohne ihn nie gebaut worden wäre: das neue Leipziger Gewandhaus.
Und einen der entscheidenden Väter der Friedlichkeit der Revolution von 1989.
Wir begegneten uns vielfältig: In meiner Studienzeit pilgerte ich zur Komischen Oper nach Berlin, um die Produktionen Walter Felsensteins zu sehen und Kurt Masur am Pult zu erleben. Produktionen wie «Otello», den Masur dirigierte. Es waren unvergessliche Abende. Er rettete mich vor meinem ersten politischen Verfahren, als ich Händels «Messias» in einer in der DDR nicht genehmigten Übersetzung aufführen und die Stadt Leipzig die Aufführung verbieten wollte. Aus meiner Stasi-Akte habe ich erst spät erfahren, dass er auch intervenierte, als es um die Besetzung der Dirigentenstelle an der ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Hartmut Haenchen
«Begeisterung»? Zu wenig. Auch mit «Fanatismus, Enthusiasmus» komme man nicht weiter. Der Neffe versicherte dem Onkel, «dass keiner dieser Begriffe das Entzücken ausdrücken kann, das diese Musik erregt hat». Nun dürfte der Neffe nicht sonderlich objektiv gewesen sein: Vincenzo Bellini selbst war der Absender, und der Brief kreiste um seine gerade uraufgeführte Oper...
«Was zählt, ist die Transgression, die Überschreitung. Man muss immer weiter gehen», sagte Pierre Boulez 2003 im «Opernwelt»-Gespräch. Damals war er noch beinahe alterslos, strotzte vor Elan. Als wir ihn zehn Jahre später in Luzern wiedertrafen, ahnten wir, dass die Kräfte zu schwinden drohten – geistig wirkte er hellwach, doch körperlich geschwächt. Am 5. Januar...
Nicht selten kommt man durch etwas ganz anderes ins Gerede als durch sein eigentliches Talent. Als Beispiel sei der Stinkefinger des Fußballers Stefan Effenberg erwähnt. So etwas wie einen visuellen Stinkefinger hat man auch dem russischen Bariton Evgeny Nikitin untergeschoben, in Form einer Swastika, die er sich als Schlagzeuger einer Heavy-Metal-Rockband auf die...
