Bayreuth, you got mail!
Nicht selten kommt man durch etwas ganz anderes ins Gerede als durch sein eigentliches Talent. Als Beispiel sei der Stinkefinger des Fußballers Stefan Effenberg erwähnt. So etwas wie einen visuellen Stinkefinger hat man auch dem russischen Bariton Evgeny Nikitin untergeschoben, in Form einer Swastika, die er sich als Schlagzeuger einer Heavy-Metal-Rockband auf die Brust tätowieren ließ.
Der Sänger meinte dazu, er habe nie die Absicht gehabt, sich ein Nazisymbol in die Haut schlitzen zu lassen – selbst wenn dies schon Jahre vor seinem vorgesehenen und dann abgesagten Auftritt als Holländer 2012 in Bayreuth passiert war. Das Ganze mag auch mit der heute notorischen political correctness zu tun gehabt haben, doch stellen sowohl Bayreuth als auch das Hakenkreuz Sonderfälle dar – dank der zwielichtigen Rolle, die der Grüne Hügel in der Ära Adolfi spielte.
Der Vorfall hat Nikitins Karriere nicht geschadet. Der Bariton singt an den großen Opernhäusern der Welt, ist der erste Russe, der im Wagner-Fach groß in Erscheinung tritt, reüssierte eben erst aber auch als Ruprecht in Prokofjews «Feurigem Engel» an der Bayerischen Staatsoper (siehe OW 1/2016). Und den Bayreuther Vorfall möchte er ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard Persché
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine...
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