Verführer unter sich
Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das Orchester einsetzt, kommt Elsa herbei und löst den Jungen ab. Einen Spielzeugritter hat sie dabei, damit das Publikum über ihre Wünsche nicht im Unklaren bleibt.
Ihre Widersacherin Ortrud gönnt sich derweil eine Zigarette, ganz Femme fatale.
Als der Schwan an der vom Komponisten vorgesehenen Stelle erscheint, ist von Lohengrin weit und breit nichts zu sehen. Vier Soldaten in Kampfuniform tragen einen Zwei-Meter-Vogel, auf dem zur Verdeutlichung «Schwan» geschrieben steht, auf die Bühne, wo er den ganzen Abend über stehen wird. Einige Zeit darauf tritt auch Lohengrin (Richard Crawley) auf, mit dem es der Regisseur gar nicht gut meint. Statt eines strahlenden Helden muss er den manipulativen Volksverführer mimen, der zunächst mit der Gestik eines Hanussen alle Anwesenden zu hypnotisieren trachtet und dann bedingungslose ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Harald Steiner
Angefangen hat es in Neustrelitz. An einem «lichten Sommertag» vor 14 Jahren. Irgendwie hatte es Ralph Bollmann in die ehemalige Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz verschlagen. Doch vom Schloss, aus dem die bis heute verehrte Preußenkönigin Luise stammte, ist nur ein Schotterplatz geblieben. Auch sonst fand der Historiker kaum Spuren aus einer Zeit,...
Zu erwarten war der Flop nicht. Sebastian Baumgarten kann ein ernsthafter, ein bisschen abgehobener Hinterfrager sein, jemand der wirklich zu Inhalten durchdringen will und nicht bloß Plots aufmöbelt. Auf diese Weise ist ihm – nur ein Beispiel – in Kassel ein hellhöriger «Rosenkavalier» gelungen. Nix Happy End. Octavian und Sophie hatten so zuckersüße Grillen im...
ARTE
1./7./13./19.9. – 6.00 Uhr
Beethoven: Hammerklaviersonate.
Verbier Festival 2008. Jean-Frédéric Neuburger.
2./8.9. – 6.00 Uhr
Annette Dasch und die Gretchenfrage.
Konzert mit ausgewählten Arien aus dem Herkulessaal der Münchner Residenz. Münchner Rundfunkorchester, Marc Piollet.
4.9. – 6.00 Uhr
19.9. – 5.00 Uhr
Die nächste Generation.
Film von Mark Kidel über Alfred...
