Verdi: Un ballo in maschera
Eigentlich war es wie immer, wenn Johann Kresnik Oper inszeniert. Gerüchte über ein mögliches Skandalon, die im Vorfeld durchsickerten, geisterten als anrüchiges Gespenst durch die Lokalmedien, entpuppten sich dann aber, nüchtern betrachtet, doch nur als Gratisreklame. Auch in Erfurt kamen weder der Griff in die amerikakritische Klischeekiste noch die Verlegung des Maskenballs von Boston nach New York und schon gar nicht die mehr als dreißig Nacktstatisten vorgerückten Alters auch nur in die Nähe des Provokanten.
Und wenn man die mitgelieferten Kommentare über das Elend der Unter- und den Reichtum der Oberschicht, den ausdrücklichen Hinweis der verknappenden Übertitelung auf den 11. September oder auf die «Opfer des Konsumismus» nicht so wichtig nahm, wie es ihre Autoren tun, dann blieb selbst nach Kresniks Verfremdungsattacken und den mitunter ziemlich aufgesetzt wirkenden politischen Ausrufezeichen am Ende auch hier Verdi der Sieger.
Die Bühne wird von riesigen, geborstenen Betonteilen und Autowracks beherrscht. Rauch und Staub hängen in der Luft, ein Ölfass brennt vor sich hin, aus dem Schnürboden segeln immer wieder Kleidungsstücke herab, dreckverkrustete Menschen mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Welt der Wissenschaft ist ein Kerker: ein schachtartiges schwarzes Halbrund, das Doktor Faust von oben bis unten mit naturwissenschaftlichen Formeln vollgeschrieben hat. Die Welt tätigen Menschenlebens ist aber auch nicht viel besser: ein klinisch weißes Halbrund – ein Altenheim, wie sich herausstellt, eine jener Verwahranstalten, darin...
Die scharfsinnigsten, zugleich unterhaltsamsten Randbemerkungen zur Bayreuther Dauerkabale stammen aus der Mitte des Wagner-Clans; sie finden sich in dem vor zehn Jahren erschienenen Buch «Wagner Theater» von Nike Wagner, der Tochter Wielands und Urenkelin Richard Wagners. Seit Cosima, so Nikes Leitgedanke, sich zur Hüterin des (testamentarisch nie fixierten)...
Es muss eine besondere Bewandtnis haben mit dieser Frau. Denn was sie liebt, ist – sie sagt es, kaum ist die fünfte von Blaubarts Türen geöffnet – «schöner als die schönsten Steine». Kein Reichtum dieser Welt kann Ariane, jenes bezaubernde, märchengleiche Wesen, das noch bei seinem Schöpfer Charles Perrault namenlos war und erst durch Maurice Maeterlinck seine...
