Verdi: Il trovatore
Die Rolle ist der Traum jedes Tenors und der Alptraum jedes Intendanten: Vermutlich gibt es derzeit selbst in der A-Klasse der Tenöre keinen Manrico, der aus dem diskografischen Schatten Franco Corellis oder des jungen Domingo heraustreten könnte. Auch für Zoran Todorovich, der sein Repertoire und seine Stimme in den letzten Jahren durch Rollen wie Pollione und Don Carlo ins Spinto-Fach erweitert hat, ist der Anzug des Troubadours noch eine Nummer zu groß.
Bei seinem Rollendebüt im Megaron von Thessaloniki muss er schon in der Offstage-Serenade stark forcieren, um aus seinen lyrischen Flötentönen Trompetentöne zu machen. Kein Wunder, dass er in der Stretta zwar den Mund aufreißt, aber kein Ton herauskommen will – geschweige denn das legendäre hohe C. Ähnlich wie Roberto Alagna auf seiner EMI-Einspielung versucht Todorovich deshalb, in den lyrischeren Partien zu punkten, und geht manchmal mutig bis ins Pianissimo zurück – meist jedoch zeugt ein leichter Grauschleier über dem an sich schönen Timbre von einem permanenten Kraftakt. Die Sterne, die in diesem griechischen «Trovatore» leuchten, sind Luna und Leonora: Der lange in Nürnberg engagierte Grieche Dimitris Tiliakos singt sein ...
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Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
Wer redet eigentlich von Michael Schade, wenn es um Anna Netrebkos Debüt als Donna Anna in Mozarts «Don Giovanni» bei den Salzburger Festspielen 2002 geht? Ohne die Zärtlichkeit und Intensität, mit der er als Don Ottavio vergebens um seine Braut kämpfte, aber auch ohne Martin Kusejs kühne Deutung von Liebesunfähigkeit und Todessehnsucht, ohne seine Darstellung...
Covent Gardens neuer «Ballo in maschera» ist eine Mogelpackung. Oder, netter gesagt, ein gescheitertes Experiment. Auf dem Papier liest sich das noch viel versprechend, allerdings auch da nur auf den ersten Blick. Die Hauptpartien sind mit Karita Mattila, Marcelo Alvarez und Thomas Hampson luxuriös besetzt, alle drei geben ihr Rollendebüt. Und alle drei wären...
