Tell auf Schottersteinchen
Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation dieser Fassung, mit Ausnahme von Lamberto Gardellis Einspielung von 1972 (die in Teilen von der hier gespielten abweicht), dürftig ist, sollten wir uns über diese Produktion sowohl aus repertoiretechnischer wie aus künstlerischer Perspektive freuen. Denn in der Titelrolle haben wir es mit einem vortrefflichen Tell zu tun. Thomas Hampson trifft einen beglückenden Ton zwischen gestalterischem Freiheitsdrang und Notentreue. Seine Arie «Soi immobile» zeigt sein sicheres Gespür fürs Französische; auch wenn er die Stelle «invoque Dieu, c’est lui seul, mon enfant» zu einer zusammenhängenden Phrase bindet, zeigen sich Hampsons gestalterische Intelligenz und sein atemtechnisches Rüstzeug. Die Ausrufe «Jemmy, Jemmy» spiegeln väterliche Ergriffenheit und besiegeln die Echtheit seiner Gesangskunst. Hampson trägt und prägt diese ...
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