Verachtet mir die Laien nicht
Der berührendste Moment gelingt Regisseurin Vera Nemirova, als sie zu Beginn des dritten Akts Beckmesser ein imaginäres Orchester dirigieren lässt. Mutterseelenallein steht der Stadtschreiber vor dem Halbkreis aus Stühlen und Notenpulten und schwingt den Taktstock. Da träumt ein Außenseiter, der die Kunst liebt, aber leider völlig unbegabt ist, vom beglückenden Maestro-Machtrausch.
Und sieht dabei nicht halb so anmutig aus wie Joana Mallwitz, die Erfurter Generalmusikdirektorin, die mit geradezu ballettöser Gestik für die Klänge in Beckmessers Kopf sorgt, mit der realen Musikertruppe im Graben, die sich aus ihrem eigenen Orchester sowie Mitgliedern der Thüringen Philharmonie Gotha zusammensetzt.
Wenn die Einleitung verklungen ist und librettogerecht David auftritt, schleicht sich der Möchtegern-Dirigent hinaus, zu den tippelschrittigen Takten, die Wagner eigentlich Sachs’ Burschen zugedacht hat, die hier aber perfekt zum hippeligen Beckmesser passen. Fein ausgehorcht ist das, wie so manches Detail in dieser ersten Koproduktion des Erfurter Hauses mit den Erzrivalen vom Deutschen Nationaltheater Weimar. Weil sich die beiden Intendanten gut verstehen, Guy Montavon respektive Hasko ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Frederik Hanssen
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