Unter der Prophetensonne
Die großen Opern Giacomo Meyerbeers werden selten gespielt. Das liegt nicht nur an den exorbitanten Anforderungen an die Sänger der Hauptpartien und am szenischen Aufwand. Auch die Quellenlage ist prekär: Meyerbeer pflegte mehr Musik zu komponieren, als er brauchte, und die endgültige Fassung der Oper erst während der Proben zu erstellen. Was nach oft radikalen Kürzungen übrig blieb (und gedruckt wurde), vermittelt ein falsches, zumindest aber unvollständiges Bild von Dramaturgie und ursprünglicher musikalischer Gestalt der Werke.
Seit zwei Jahrzehnten ist nun eine neue Meyerbeer-Gesamtausgabe auf der Grundlage aller vorhandenen Quellen, besonders der autographen Partituren, in Vorbereitung. Die Edition von «Le Prophète» (1849), die Matthias Brzoska (Essen) und seine Mitarbeiter erstellten, diente schon 2004 als Grundlage für die Aufführungen in Münster; 2007 wurde die Vollendung der Ausgabe mit einem Kongress an der Folkwang Hochschule gefeiert, bei dem 32 Musik-, Theater- und Literaturwissenschaftler über die dritte der «großen» Opern Meyerbeers, und am Rande (zwei Beiträge) auch über sein Liedschaffen, referierten.
Trotz des Anlasses sind dem ersten Problemkreis «Edition» nur drei ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Medien/Buch, Seite 25
von Albert Gier
«Ein Leben auf der Erde lohnt sich noch, solange solche Musik komponiert wird», befand der Komponist Nikolai Mjaskowski, nachdem er die Oper «Der feurige Engel» von Prokofjew gehört hatte. Zweifelsohne zählt der «Feurige Engel» zu jenen Schöpfungen im Musiktheater, deren Intensitäten wie ein Schauder durch die menschliche Seele strömen – zumal dann, wenn sie so...
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