Eine einzige Raserei

Weimar: Prokofjew: Der feurige Engel

Opernwelt - Logo


«Ein Leben auf der Erde lohnt sich noch, solange solche Musik komponiert wird», befand der Komponist Nikolai Mjaskowski, nachdem er die Oper «Der feurige Engel» von Prokofjew gehört hatte. Zweifelsohne zählt der «Feurige Engel» zu jenen Schöpfungen im Musiktheater, deren Intensitäten wie ein Schauder durch die menschliche Seele strömen – zumal dann, wenn sie so herausragend interpretiert werden wie von der Staatskapelle Weimar unter der Leitung ihres Ersten Kapellmeisters Martin Hoff.



Eine verrückte Musik ist das, überbordend, grell, fahrig und fiebrig, voller unkontrollierter Ausbrüche und ekstatischer Augenblicke, kurzum: eine einzige Raserei. Hoff und sein Orchester folgen diesem expressionistisch angewehten Wahn bis in den letzten Winkel, mit geschärfter Artikulation und enorm dynamischem, nahezu unerbittlichem Ausdruckswillen. Eine Meisterleistung, die vom Opernchor mitgetragen wird.

Die Geschichte, einem Roman des russischen Symbolisten Valeri Brjussow entliehen und auf operntaugliche zweieinhalb Stunden destilliert, ist krude. Das Mädchen Renata, von phantasmagorischen Vorstellungen geplagt und der Hysterie nahe, trifft auf den Ritter Ruprecht, der soeben aus Übersee ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Es kocht im Orchester


Zweimal Giuseppe Verdis «Masnadieri» im Abstand von nur rund zehn Monaten. Das bedeutet nicht nur, einer selten gespielten Schiller-Oper näher zu kommen. Gäbe es die Klassifikation – es erhellte auch, wie gering das Gefälle zwischen einem Team aus der Champions League (Zürich) und einem aus der Zweiten Bundesliga (Karlsruhe) ist. Und ganz nebenbei auch, ein wie...

TV-Klassiktipps

ARD
20.2. – 9.00 Uhr
Neujahrsgala 2011 (Auszüge).
SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Asher Fisch. Solisten: Anja Harteros, Jonas Kaufmann. Arien und Duette von Verdi, Cilea, Puccini und Catalani.


ARTE
1.2. – 6.00 Uhr
Szymanowski: Stabat mater.

2./8.2. – 6.00 Uhr
Martha Argerich und Mischa Maisky
beim Klavierfestival Ruhr 2010. Werke von Schumann.

3.2. – 6.00 Uhr
...

Liebe in den Zeiten des Todes

Traumwelt: Welt der Verdrängung, des Subtextes, der Reise in Vorzeiten. Wie es sich anfühlt, diese Welt zu betreten, hat der Philosoph Christoph Türcke höchst anschaulich formuliert. Sich auf den Traum einlassen, schreibt er gleich zu Beginn seines faszinierend eigensinnigen Buches «Die Philosophie des Traums», «heißt in den Untergrund gehen: allen festen Halt...