Unter der Hitze Spaniens
Schon die Anfahrt ist etwas Besonderes: Das Auto muss an der Landstraße zurückbleiben oder auf einer Wiese parken, denn die Reithalle von Gut Immling, Schauplatz der zehnten Saison des Opernfestivals Chiemgau, liegt auf einer sanften Anhöhe im Wald (was zur etwas großspurigen Bezeichnung als Bayerns zweitem Grünen Hügel führte) und ist nur per Sonderbus auf schmalen, lediglich in einer Richtung befahrbaren Feldwegen erreichbar.
Wer zeitig kommt, kann sich im großen, auf einer Seite offenen, den traumhaften Rundblick über die Weiten des Chiemgaus bietenden Bewirtungszelt an einem Büffett gütlich tun, das zum moderaten Einheitspreis asiatische, italienische oder bayerische Köstlichkeiten anbietet. Auch sonst wird nicht gekleckert: Neben der «Zauberflöte» wagte man sich in diesem Jahr an Verdis vieraktigen italienischen «Don Carlo». Nächstes Jahr folgen «Un ballo in maschera» und Rossinis «Barbiere». In der Reithalle hatte es in diesem Juli wahrhaft südländische Temperaturen, wie sie wohl auch um die zentralspanische Residenz König Philipps II., das Escorial, herrschen mochten. Was andernorts zu Recht kaum geduldet wird – reihenweise sich Luft zufächelndes weibliches Publikum, wie ...
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Er steht abseits des Weges, fast im Gebüsch. Und die wenigen, die ihn überhaupt sehen, erkennen ihn kaum. Ein kahlköpfiger, aufgeschwemmter alter Mann, bekleidet nur mit einem Tuch um die Hüften. Vorsichtig schiebt er sein rechtes Bein nach vorne, während sich die linke Hand auf einen hochgezogenen Beckenknochen stemmt. Der Rücken krümmt sich, der Bauch hängt...
Entgegen den vollmundigen Ankündigungen vom letzten Jahr (siehe OW 11/2005) hat Wulf Konold sein Publikum bei den diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspielen im Musiktheaterbereich auf Sparkost gesetzt. Da die in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen geplante Mozart-Trilogie – «La finta semplice», die beiden Fragmente «L’oca del Cairo» und «Lo sposo...
Wisst ihr, wie das ward? Just zur Zeit, da Tankred Dorst sich für den Grünen Hügel um den «Ring» mühte – was je nach Standpunkt des Betrachters zu altersweiser oder naiver Exegese führte –, präsentierte der abgesprungene Lars von Trier auf der Homepage seiner Produktionsfirma das, was hätte sein können: Ein «Ring» wie ein Film Akira Kurosawas als...
