Unerträglicher Spaß
Noch bevor es richtig losgeht, legt Serse in der Garderobe mit Amastre – hier nicht seine Braut, sondern seine Haushälterin – einen Quickie hin. Dann schlüpft er in den Glitzeranzug des Entertainers, betritt die Bühne, setzt sich an den pompös unter einem gewaltigen Rundbogen aus Klaviertasten thronenden Flügel und begleitet sich selbst zu Händels größtem Hit «Ombra mai fu». Die verliebte Huldigung des durchgedrehten Selbstdarstellers an eine Platane mutiert dabei einmal mehr zum schmalzig zelebrierten Unterhaltungskitsch.
Des rot aufleuchtenden «Applaus»-Signals hätte es nicht bedurft, um die Fans zum Jubeln zu bringen.
Mit dem antiken Xerxes hatte schon Händel nichts im Sinn; dem Opernhelden Serse verpasst Regisseur Max Emanuel Cencic in seiner Karlsruher Inszenierung mit noch größerer Entschiedenheit einen Tritt in den Allerwertesten. Für ihn ist der selbstverliebt-launenhafte König ein Popstar, was er ansteuert keine konventionelle Opernaufführung, sondern eine hippe Revue – das erkennbare Vorbild der US-Pianist Liberace, der sichtliche Ort der Geschehens das Spieler-Paradies Las Vegas. Entsprechend typengerecht frisiert er die Figuren um: Serses tuntiger Bruder Arsamene ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Uwe Schweikert
«Celan» (1998/99), «Hölderlin» (2008) und «Benjamin» (2015/16) heißen die drei Musiktheaterwerke, die Peter Ruzicka bisher vorgelegt hat und aus deren jeweiligen Klang- wie Denk-Konstellationen er späterhin auch namensentsprechende «Symphonien» destilliert hat, darunter die Ende März 2018 vom hr-Symphonieorchester unter Leitung des Komponisten uraufgeführte...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B =...
Filmmusikkomponisten genießen in der Klassikwelt einen durchwachsenen Ruf. Misstrauen regt sich erst recht, wenn sie ihr Genre verlassen. In der Tat kann das ins Auge gehen, wie unlängst in London, als Lucas Cantor aus musikalischen Partikeln, die ein Smartphone-Programm aus diversen Schubert-Kompositionen destilliert hatte, die zwei fehlenden Sätze zu dessen...
