Unentschlossen

Duisburg, Beethoven, Fidelio

Opernwelt - Logo

Regisseurinnen haben ihre eigene Sicht auf Beethovens «Fidelio». Vom nationalen Pathos der «Rettungsoper» lassen sie sich kaum einschüchtern und interessieren sich stark für die Frauen Leonore und Marzelline, deren Identität im patriarchalisch geführten Staatsgefängnis von Sevilla auf eine harte Probe gestellt wird. Amélie Niermeyer, seit zwei Jahren Generalintendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses, setzt solche Zeichen gleich am Beginn ihrer Inszenierung für die Rheinoper in Duisburg: Zum Orchestervorspiel (der leider selten gespielten «Leonore»-Ouvertüre Nr.

1) stöckelt Annette Seiltgen im Video als attraktive Leonore über die lackierten Gänge der JVA Köln, um Florestan hinter Klappen und Gittern zu suchen. Gefunden wird sie selbst von der Kerkermeistertochter Marzelline, die den verkleideten Fidelio meint, aber in der androgynen Figur wohl auch die magische Gestalt erblickt, die sie aus dem spießigen Haushalt ihres Vaters Rocco (ohne Biss: Sami Luttinen) erlösen kann. Die Kraft der weiblichen Liebe sieht Amélie Niermeyer somit mehrschichtig: Sie gilt dem Staatsfeind Florestan, der auf der tiefsten Ebene vegetiert – und seiner Retterin, die von der verwöhnten Marzelline ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Licht und Schatten

Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung ist zweifellos das, was man einen Wurf nennt: frisch, frei, ironisch, ehrlich, der Komplexität des Stückes in jedem Moment gewachsen. Sie entdeckt viel Düsteres und Böses, wo üblicherweise die Jubelparade dominiert. Sie ist offen in den Ideen, aber geschlossen in der theatralen Umsetzung. Sie spielt mit...

Apropos... erste Liebe

Frau Damrau, für Ihr letztes Rollendebüt, Donizettis Lucia an der Met, haben Sie bei Nervenärzten über den Wahnsinn recherchiert. Bei wem haben Sie sich für Ihre Sophie erkundigt?
Zum Glück muss man für Sophie keine großen Forschungen anstellen. Das ist einfach ein kleines Mädchen aus neureicher Familie, das aus dem Kloster kommt und gegen seinen Willen verheiratet...

Der Anfang ist gemacht

Normalerweise sind Gesangwettbewerbe eine Sache für Frack und Abendkleid. Die Teilnehmer präsentieren sich mit einem mal mehr, mal weniger vorgegebenen Arien-Reigen, wobei natürlich laut Statuten immer die «ganze» Persönlichkeit bewertet wird. Im süd-ungarischen Szeged fand jetzt erstmals ein Wettbewerb statt, der darüber hinaus will. Neunzehn Finalisten waren dort...