Undurchdringlich
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten sich wiederholenden Zäsuren der Geschichte – sind Chlebnikovs ureigenes Gedankengut.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die «Sternensprache», in der der Klang des Wortes die Essenz des Gegenstandes, den es bezeichnet, erfassen soll. Was Chlebnikov hier versucht, ist nichts weniger, als die Vielfalt der Sprachen und Sprechhaltungen auf ihren gemeinsamen Ursprung zurückzuführen. Diese Idee muss einen Komponisten wie Hèctor Parra faszinieren. Ihn treibt eine ähnlich hybride Wunschvorstellung um: die Totalintegration historischer und gegenwärtiger Musiksprachen. Und das Material seiner elektronischen Komposition für «Zangezi» lässt sogar diese Limitierung noch hinter sich. Hunderte von Klängen, hauptsächlich Vogelgesänge, menschliche Stimmen und Industriegeräusche, hat Parra in winzigste Bruchstücke ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Ingo Dorfmüller
Als Musikhistoriker freue ich mich über jede Ausgrabung, Neugier gehört zum Beruf. Die Nagelprobe auf den Brettern erlaubt es, eine Oper ganz anders kennenzulernen als durch das Lesen der Noten.
Da man aber unmöglich alles ausgraben kann, stellt sich – wie überall im Leben – die Frage der Prioritäten. Die Phrase von «zu Unrecht» vergessenen Werken hilft dabei nicht...
Neben der Musikgeschichte der klingenden Tatsachen und ihrer Wirkungen gibt es auch eine «Möglichkeitsgeschichte» des zufällig oder aus innerer Logik nicht zustande Gekommenen. Was, um nur ein Beispiel anzuführen, wenn Wagner sich noch zu einer «Buddha»-Bühnenlegende entschlossen hätte, einer mildfarben westöstlichen Serenität jenseits des «Parsifal»? Vieles blieb...
Bis auf «Platée», das beliebte Ballet bouffon, tauchen Rameaus Werke nach wie vor selten in den Spielplänen auf. Diskografisch steht seine Sache aber gar nicht schlecht – eine Nachwirkung des 250. Todestags 2014. Drei Neuerscheinungen der letzten Monate verdienen Beachtung.
In «Castor et Pollux» (gespielt wird die prologlose Version von 1754) lassen Raphaël Pichon...
