Tschaikowsky: Eugen Onegin
Onegin trägt seine Sinnsuche in den Zuschauerraum, auf einen um den Orchestergraben gelegten Laufsteg. Sechsundzwanzig sei er, singt er gegen die Säule einer Parterreloge gelehnt, und das Nichtstun kotze ihn an. Ein Besucher in jener Loge fühlt sich angesprochen und zieht sich zurück ins Dunkel. Unangenehm betroffen. Nicht Onegins Schicksals wegen, sondern weil er in die Bühnenhandlung quasi physisch hineingeholt wird. Er möchte offensichtlich die Erzählebene nicht mit der Rezeptionsebene verwechselt sehen.
Gerade diese Kommunikation, das Durchbrechen der «vierten Wand» war jedoch bereits vor zehn Jahren in Leipzig Anliegen der szenischen Auslegung von Tschaikowskys «Lyrischen Szenen» durch Peter Konwitschny. Nun hat er sie für Bratislava aufbereitet. Dort mag solches neu gewesen sein, obwohl die Behauptung, in der slowakischen Hauptstadt werde Oper noch unreflektiert «vom Blatt» gespielt, von Regisseuren wie, pars pro toto, dem experimentierfreudigen Martin Bendik längst widerlegt wurde.
Zwar war Konwitschnys Musiktheater durchaus neu für das Slovenské Národné Divadlo. Doch schien das Vorfeld auch dank des Wirkens des Dramaturgen Vladimír Zvara gut beackert: Einige Interviews ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...
In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der...
Verdis «Don Carlo» verschiebt Schillers Perspektive, indem er die Innenansicht der Macht in den Vordergrund stellt. Diese bildet auch eines der Hauptthemen von Beverly Blankenships Regie, womit die Gestalt König Philipps II. in den Mittelpunkt rückt: ein Mächtiger, der ohnmächtig der Allgewalt der Kirche ausgeliefert ist.
Blankenship und ihre Bühnenbildnerin Heidrun...
