Verdi: Aida
In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der Oberfläche funktioniert, sich der präzise Tonfall Verdis für Tempeltänze und mächtige Priester permanent reibt an Offiziersuniformen.
Hinzu kommt, dass Intendant Ansgar Haag in seiner letzten Inszenierung die Sänger nicht wirklich führt und den Zusammenprall der Kulturen seltsam beleuchtet: Da tragen die (Bauch-) Tänzerinnen zwar prächtige orientalische Kostüme, bewegen sich freilich in konventionell westlichen Schrittchen – und die Männer treten halbnackt mit schwarzen Baströckchen auf! Historisch falscher könnten diese Einfälle, was die britische und arabische Kultur der Kolonialzeit betrifft, kaum sein. Und ein mit neckischen Alligator-, Elefanten- und Giraffen-Masken ironisierter Triumphmarsch bleibt weit entfernt von jeder kritischen Deutung.
Schlimmer noch, dass sich fast alle Sänger weit unter ihrem Niveau ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jan Müller-Wieland (39) reichert sein musiktheatralisches Schaffen mit einem neuen Stück an, das sich vom Genre Literaturoper abwendet. Im Auftrag des Theaters Bonn, das seine finanziell gefährdete Novitätenreihe «BonnChance» nur noch mit Hilfe des örtlichen Beethovenfests durchhalten kann, komponierte er den Einakter «Die Irre oder Nächtlicher Fischfang» nach...
Es ist ein schönes Bellini-Paket, das TDK nach «Beatrice di Tenda» aus Zürich von 2001 mit «La sonnambula» aus Florenz (2004), «Norma» aus Parma (2001) und «I puritani» aus Barcelona (2001) geschnürt hat – mit drei Primadonnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und drei Stücken, die die ganze Bandbreite des Komponisten zwischen romantischem Märchen,...
Historische «Anfänge» sind immer heikel. Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die erste deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW...
