Traumgekrönt. Lieder von Strauss, Berg, Schönberg. Hanna-Elisabeth Müller (Sopran), Juliane Ruf (Klavier). Belvedere 08034 (CD); AD: 2016

Trinke Einsamkeit!

Hanna-Elisabeth Müller und Juliane Ruf mit Liedern von Strauss, Berg, Schönberg

Opernwelt - Logo

Schöner Titel: Traumgekrönt. Rilke hat das Wort ersonnen. Und ein Gedicht gleichen Namens geschrieben, das nach Vertonung geradezu dürstet: «Das war der Tag der weißen Chrysanthemen, / Mir bangte fast vor seiner Pracht, / Und dann, dann kannst du mir die Seele nehmen / Tief in der Nacht.» Romantisches Weltgefühl? In Alban Bergs «Sieben frühen Liedern» mutet es eher an wie eine Emanzipation von dieser Anschauung – zumal wenn Interpreten jedwede Melancholie aus dem Text verbannen, um in sein Innerstes vorzudringen; so wie Hanna-Elisabeth Müller und Juliane Ruf.

Eine intelligente Textausdeuterin mit brunnenklarem Sopran, der selbst beim späten, hohen pianissimo-G den Fokus nicht verliert und mit deutlicher Diktion die Spannung hält, trifft auf eine Pianistin mit dem gleichen unspektakulär-prononcierten Klangempfinden. Beglückende Konstellation, nicht nur bei diesem Lied. Auch in «Nacht» auf Verse Carl Ferdinand Hauptmanns finden die beiden jungen Künstlerinnen, die seit Längerem miteinander arbeiten und nun ihr Plattendebüt geben, zu einer Sprache der Verinnerlichung, die nie ins Sentimentale abgleitet und beinahe nietzscheanische Züge trägt, wenn Hanna-Elisabeth Müller die Worte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Im Labor

Da ging alles auf Anfang. Der neue Freiburger Intendant Peter Carp brachte bei seinem Opernstart mit Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» gleich drei neue Damenstimmen ins Spiel, die Karriere machen könnten und die verstärkte Hinwendung zu einer festeren Ensemblekultur signalisieren: Samantha Gaul als koloraturaffine Olympia, Solen Mainguené als...

Unverwechselbar

Der Titel dieses Doppelalbums ist nicht zu hoch gegriffen. Der Niederländer und Wahlösterreicher Robert Holl, der am 10. März seinen 70. Geburtstag feierte und auf dem Podium nach wie vor aktiv ist, zählt zu den bedeutendsten Interpreten des deutschen Liedes; auch seine großen Opernrollen (Sachs, Gurnemanz) haben von diesen Erfahrungen profitiert. Wie sein Lehrer...

Unterm Lebensbaum

Im vergangenen März überraschte Markus Bothe am Nationaltheater Mannheim mit einer originellen szenischen Umsetzung von Monteverdis «Ulisse» (siehe OW 5/2017). Diesmal ist ihm und seinem Bühnenbildner Robert Schweer zur Saisoneröffnung mit Bellinis «Norma» leider nur ein naiver Naturalismus eingefallen. Auf der weit nach vorne gezogenen Spielfläche breitet eine...