Tod ohne Verklärung

Im Bregenzer Festspielhaus erinnern der Dirigent Johannes Debus und der Regisseur Johannes Erath an Berthold Goldschmidts Opernrequiem «Beatrice Cenci». Auf der Seebühne lässt Kasper Holten ein letztes Mal Bizets «Carmen» zu Wasser

Opernwelt - Logo

Es könnte ein Rekordjahr werden. Das Endergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe zwar noch aus, aber es würde uns nicht überraschen, wenn das tropische Langzeithoch im Juli und August auch die Besucherzahlen in unerreichte Höhen getrieben hätte. Spielt das Wetter mit, ist die Bregenzer Seebühne quasi ein Selbstläufer.

Und mit «Carmen», der dritten Neuproduktion des Bizet’schen Evergreens in der 72-jährigen Festspielgeschichte, hatte die seit 2015 amtierende Intendantin Elisabeth Sobotka vergangenen Sommer eine der lukrativsten Cashcows des Repertoires zu Wasser gelassen (siehe OW 9-10/2017). Mehr als 200 000 Karten waren für die 29 Aufführungen der Reprise im Angebot. Das mit Kletterstunts, Planschballett und Feuerwerk getunte Pleinair-Spektakel in Es Devlins bis zu 24 Meter hohem Spielkarten-Set erwies sich also auch im zweiten Jahr als Publikumsmagnet.

Dass Kasper Holtens Regie sich weitgehend in übersichtlichen Arrangements erschöpft, dass die Lichtführung Bruno Poets und die Live-Cam-Projektionen Luke Halls vor allem darauf zielen, die jeweils gerade singenden Solisten optisch hervorzuheben, ist angesichts ihrer Verzwergung in den ortsüblichen XXL-Kulissen beinahe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 29
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Jeder Ton ein Stromschlag

Interpretation sei, so hat Yehudi Menuhin gesagt, der Feind der Technik. Interpretation verstand er als Suche nach Ausdruck. Bei dieser Suche bevorzugen viele Sänger das verbale Agieren gegenüber dem musikalischen espressivo. In der zweiten Arie der Königin der Nacht haben Soprane wie Selma Kurz, Frieda Hempel, Maria Ivogün oder später Rita Streich die technische...

Wotan aus der Kiste

Von außen ähnelt das Haus eher einer Scheune als einem Theater, aber das sagten kundige Bayreuth-Besucher seinerzeit auch über das große Festspielhaus. Und jetzt eben über die Probebühne in seinem Schatten, auf der seit zehn Jahren – als beinahe einzige Erfindung Katharina Wagners, die ihre Intendanz überdauern könnte – Wagner für  Kinder gezeigt wird.

Die Idee...

Trauerspiel mit Ansage

«Alles was du bist, bist du nur durch Verträge.» Sich an diese Warnung, von Fasolt an Wotan gerichtet, vor dem Abschluss von langfristigen Vereinbarungen mit Künstlern zu erinnern, ist ratsam – gerade bei Sängern, bei denen die Nornen-Frage zu stellen ist: «Weißt du, wie das wird?» Vor sieben Jahren kündigte die Deutsche Grammophon Gesellschaft die Aufnahme der...