Theater der Bilder
«Jede Fotografie», schrieb Susan Sontag in ihrer kleinen Philosophie der
Kamerakunst, «ist eine Art Memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit.» Das gilt zumal für das Spiel auf der Bühne. Das Flüchtige, das Ungreifbare, das Transitorische liegt hier in der Natur der Sache.
Das Stück, die Aktion, die Personen «existieren» nur so lange, wie die Vorstellung läuft. Wenn der letzte Vorhang fällt, gerinnen sie zu Erinnerung, zu Geschichte. Vielleicht können – im besten Fall – nur Bilder (oder Videos) post festum vermitteln, worin die Aura einer Aufführung bestand, was sie im Innersten antrieb und zusammenhielt. Nämlich dann, wenn der gerahmte Augenblick, wenn der im Bruchteil einer Sekunde festgehaltene Ausschnitt den Geist des Ganzen, das Wesen einer Figur, den Zauber eines Raums oder einer Szene trifft.
In diesem Sinne gehört die Theaterfotografin Mara Eggert zu den Großen ihrer Zunft. Der 1938 in Rostock geborenen, in Ahrenshoop an der Ostsee ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon zu Berlioz’ Lebzeiten galten «Les Troyens» in der fünfaktigen Version als unaufführbar. Der Komponist musste sein ehrgeizigstes Werk deshalb teilen. Was dann am
4. November 1863 unter dem Titel «Les Troyens à Carthage» im Pariser Théâtre-Lyrique zur Uraufführung kam, waren die letzten drei Akte. Die ersten beiden («La Prise de Troie») wurden zehn Jahre nach...
Die keusche Jungfrau kommt von rechts. Irrlichternd ihr Blick, ängstlich an den Körper gepresst Hände und Gebetbuch, unsicher der Gang. Kein Zweifel, sie fühlt sich unwohl in diesem Umfeld, inmitten der Heiden, unfrei, beklommen. Zum Glück ist da ein Stuhl, er bietet Schutz, aber nur für Sekunden. Denn sofort nimmt direkt neben ihr breitbeinig der römische...
Nennen wir sie Rhonda. Rhonda ist achtzig Jahre alt. Die Beine tun es nicht mehr so richtig, deshalb hat sie einen Rollator dabei. Und ihren schwedischen Chaperon. Nennen wir ihn Olof. Olof ist schätzungsweise Mitte fünfzig und organisiert Reisen für vermögende Privatkunden. Kennengelernt haben die beiden sich in – Papua-Neuguinea. Nun kommt Rhonda regelmäßig aus...
